Robert

Auf der Wendeltreppe, die zu den Kabinen hinauf führt, sieht er ihn. Das heißt, er sieht die köstlich erregende Hüfte. Wie zwei ineinander verschmolzene Äpfel, glänzen die von der Sonne gebräunten Backen. So schwebt der nackte Junge die Treppe hoch. Der Jugendstil passt zum schlanken Körper des Jungen und unterstreicht die erotische Atmosphäre. 

Robert ist ins Bad gekommen, um seinen Frust weg zu schwitzen. Sein Freund hat ihm nach sieben Jahre einfach die Türe nicht mehr geöffnet. Wütend hämmert Robert an der Türe, ohne Erfolg nichts rührt sich im Inneren. Er telefoniert, sein Freund lässt sich verleugnen, hebt nicht ab. Da braucht man eben einen Ersatz. Das schmuddelige, maurisch inspirierte Bad gilt als das Schwulste das Wien zu bieten hat. Also ist Robert hier. Alt bis älter, ist das Publikum. Er mit seinen 32 Jahren gehört bereits zu den Jüngsten der Anwesenden. Wasser plätschert in unmittelbarer Nähe. In einigen düsteren Ecken tropft es. Plötzlich diese herrlichen Schenkel hoch vor ihm auf der hellen Treppe.

 

Der 21jährige Heinz ist hier, in Begleitung einer 54jährigen Tunte, um die Szene zu studieren. Er ist beinahe noch Jungfrau. Erst drei oder vier Herren haben ihn bisher vernascht. Er will endlich etwas Besonderes erleben. Da spürt er den verlangenden Blick in seinem Rücken. Er dreht seinen, von schwarzen Locken bekränzten Kopf nach hinten. Ihre Blicke treffen sich, beginnen bei Beiden zu glühen, es funkt. Robert steigt ebenfalls hoch. Da Heinz stehen bleibt, berühren sich bald ihre beiden nackten Körper.

Robert erregt sich. „Kommst du mit in meine Kabine?“

Heinz fühlt an seiner Wade, Robert steht zwei Stufen tiefer, die Erregung des Mannes.

„Ja“, haucht er.

Robert steigt weiter rauf. Er muss sich, auf der engen Treppe, an Heinz gepresst vorbei zwängen. Dabei schiebt er auch dessen Tuch mit nach oben und legt die Erektion des Burschen frei. „Ich gehe vor, um dir die Kabine zu zeigen“, flüstert er heiser.

„Ja“, haucht Heinz.

Der kräftige, brünette Kerl der nackt, muskulös wie ein fleischgewordener David, an ihm vorbei gleitet, raubt Heinz die Sinne. Das verspricht schöner zu werden, als was er bisher, mit den älteren Herren erlebte. Auf gleicher Höhe schauen sie sich tief in ihre Augen. Der hellblaue leuchtende Blick, vertieft sich in das dunkle Braune des Schwarzgelockten. Robert fasst mit einer Hand die Hüfte, mit der Anderen die Schulter, um seine schmalen Lippen auf den vollen roten Mund des Jungen zu pressen. Heinz öffnet sich, um die Zunge des Mannes einzusaugen. Langanhaltend dauert der Kuss, bis er jäh unterbrochen wird. „Kann man bald über die Stiege weiter gehen, oder dauert das ewig?“ Faucht ein, sich jenseits von Gut und Böse befindender, Mann.

Sie hasten weiter nach oben. Sie stürzen in die Kabine. Ein enger schmaler Raum, der von einer Liege gänzlich ausgefüllt wird. An der Längswand Hacken, an denen Roberts Kleider hängen. Eng umschlungen sinken sie auf die Liege. Leise Musik klingt aus dem Hintergrund. Verspielt tasten sie ihre Körper gegenseitig mit den Händen, der Zunge und ihrem Geschlecht ab. Nach Minuten erfolgt die Vereinigung. Weitere Minuten vergehen und es erfolgt die Befriedigung.

Nach einer kurzen Verschnaufpause. „Du warst süß, so willig. Ich könnte dich immer wieder hernehmen.“

„Ja“, haucht Heinz. Es ist, als ob er nur das eine Wort hauchen kann.

„Lass uns das Bad verlassen und etwas essen gehen.“

„Ja“, gehaucht.

Heinz geht um sich zu waschen und danach in seiner Kabine anzuziehen. Robert erledigt gleiches, wesentlich schneller und wartet nervös am Eingang. Fast ist es ihm peinlich, da das Bad bekannt ist und mehrere Passanten vorbeikommen, die ihn lächelnd abschätzend ansehen. Heinz kommt mit einer weiten herabhängenden Hose und mit einem noch weiteren, ihm zu großen, Pullover bekleidet heraus. Sie gehen in ein nahe gelegenes Restaurant. Es ist im „Bauernstil“ mit Fichtenholzmöbel eingerichtet.

Robert bestellt. „Nimmst du das gleiche?“

„Ja“, haucht er. Aus seinen verträumten Augen mit den langen Wimpern starrt Heinz unentschlossen auf die Karte.

Robert kann sich an dem engelsgleichen, durch die pechschwarzen Haare bleich wirkenden, Gesicht nicht satt sehen. Heinz lächelt ihn schüchtern an.

„Hat es dir gefallen?“ Robert will den Jungen aus seiner Reserve locken.

„Ja.“

Schweigen. Sie bekommen die Suppe. Danach ihr Gordon Bleu. Nach der Cremeschnitte bricht Robert das lange Schweigen. „Kommst du mit zu mir?“

„Ja.“

Nachdem Robert bezahlt hat, verlassen sie das Lokal. Robert ruft ein Taxi. Als er sich umdreht, um mit Heinz das Auto zu besteigen, ist Heinz weg. Robert ist ebenfalls weg. Wo ist der Junge? Weshalb hat er ihn stehen gelassen? Ach was, ich hab ihn ja gehabt und brauche heute kein zweites Mal. Trotz dieses Trostes fährt Robert verschnupft nach Hause.

 

Tage später, Robert reißt einen 19jährigen auf. Der schlanke, eigentlich magere, Jüngling ist zärtlich und verhurt. Hingebungsvoll, kann er nicht genug von seinem Herrn bekommen. Robert rammt ihn was das Zeug hält. Die Nacht wird zur Nacht der Nächte. Am folgenden Morgen kann Robert nur mehr kriechen. Der Junge hat ihm den letzten Tropfen ausgesaugt. Sie futtern hastig ein karges Frühstück und der Junge verschwindet. Robert ist nicht weiter an ihm interessiert.

 

Am späten Nachmittag, aus Langeweile, und da er total fertig ist, besucht er wieder das „Kaiserbründl“. Mit fadem Gesicht streift er durch die Räume. Er weiß nicht was er sucht. Doch er weiß genau, was er sucht. Er findet es!

An einer der wenigen, gut beleuchteten Plätze steht lasziv Heinz. Sein leicht gebräunter makelloser Körper, sein Lächeln ziehen Robert wieder in seinen Bann.

„Du hast mich vergangene Woche stehen gelassen.“ Ein Vorwurf den Robert sich nicht verkneifen kann.

„Ja“, haucht glücklich lächelnd der Junge. „Es war falsch. Ich hatte Angst, mich zu verlieren.“

„Oh, du kannst ja mehr sprechen.“ Robert staunt über den Wortschwall.

Heinz studiert mit prüfendem Blick den Körper des Mannes. Der kräftige muskulöse Kerl macht ihn geil. Robert sieht es.

„Komm bitte heute mit zu mir. Ich will die Nacht mit dir verbringen“, bettelt er.

„Ja.“

Diesmal passt Robert auf, damit ihm der Bursche nicht wieder abhandenkommt. Sie erreichen die Wohnung von Robert. Ein langes, viel zu langes Vorspiel ist nötig bis Robert die nötige Kraft aufbringt, um Heinz den Herrn zu zeigen. Dann allerdings ist es ein erfüllendes erregendes Spiel. Heinz ist zufrieden. Robert glücklich. Er überlegt, wie binde ich den Jungen an mich.

Beim Frühstück stellen sie sich vor. Endlich weiß Robert auch den Namen von Heinz. Mehr allerdings noch nicht. Sie sprechen mehr über sexuelle Praktiken. Robert geht dabei in sehr schlüpfrige Details. Heinz blüht auf. Das direkte unverblümte Benennen der Körperteile und Aktivitäten gefällt ihm. Robert steigert sich hinein. Er erklärt was mit den Fingern, dem Mund, der Zunge und nicht zuletzt mit dem Geschlecht alles getan werden kann. Kein Wunder das sie nach diesem Frühstück nochmals zu Bett müssen.

Danach zieht sich Heinz an, küsst Robert auf den Mund und „tschau.“ Wieder ist er weg.

Ach verdammt jetzt habe ich wieder keine Adresse, oder Telefonnummer von ihm. Robert ist verzweifelt.

 

Tage später, Robert stolpert über den 19jährigen. Der blonde Knabe packt ihn am Unterarm. „Du hast es gut gemacht. Lass uns nach Hause gehen“, schmachtet er Robert an.

„Ja“, haucht Robert.

Sie stürzen, kaum dass sie die Wohnung betreten haben, aus ihren Kleidern. Hemmungslos wild, Robert wird brutal, absolvieren sie den Sex. Wieder kann der Junge nicht genug bekommen. Robert gibt her was er nur kann. Erschöpft will Robert in Ruhe mit dem Burschen das Frühstück einnehmen, doch kaum ist der Kaffee fertig, klappert die Türe und weg ist er. „Na ich weine ihm keine Träne nach.“

 

Unruhig und nervös verläuft für Robert der folgende Tag. Es zieht ihn wieder ins Kaiserbründl. Er will aber vorher zu Kräften kommen. Er hat Angst den Burschen nicht anzutreffen. Er hat Angst zu versagen. So vergeht ein weiterer Tag bis Robert die Sauna aufsucht. Er trifft Heinz nicht. Heinz ist wie vom Erdboden verschluckt. Tag für Tag eilt Robert ins Bad. Tag für Tag wird er enttäuscht.

Bis ihn eines Tages der 19jährige in der Dampfkammer anspricht. „Da also treibst du dich herum. Komm lass uns nach Hause gehen.“

„Ja gut.“ Er resigniert da der Wunsch Kandidat, sein Traum nicht auffindbar ist.

Robert sieht das süße Gesicht von Heinz vor sich, als er den 19jährigen liebt.

„Diesmal bist du nicht ganz bei der Sache“, wird er deshalb auch gerügt.

„Verzeih“, seufzt Robert. „Ich bin leider in einen anderen verliebt.“

„In Heinz? Der ist doch mit einem älteren Herrn verheiratet.“ Der Junge lacht ihn aus.

„Du kennst ihn?“ Robert ist verwirrt.

„Klar, ich habe öfter mit ihm und seinem Lover einen lustigen Dreier gespielt. Komm jetzt nimm mich richtig her.“ Der Junge fordert wie gewohnt Roberts ganze Kraft.

Robert versinkt wie in Trance in den Jungen.

„Bis zum nächsten Mal“, kichert der, als er sich hastig davonmacht.

 

Endlich! Heinz ist im Bad. Er spricht Robert an.

„Lass uns zu dir gehen, hier ist es zu schmutzig“, fordert er.

Robert befindet sich im siebenten Himmel. Zärtlich und verspielt verbringen sie den Abend im Bett.

„Ich muss gehen“, flüstert Heinz ihm ins Ohr. „Mein Freund wartet auf mich.“

„Du hast einen Freund?“ Robert tut erstaunt, obwohl er es bereits weiß.

„Otto hat es dir doch gesagt.“ Heinz schüttelt den Kopf. „Wir haben eine eingetragene Partnerschaft. Ich bin gebunden.“

„Ich liebe dich“, jammert Robert. „Bleib bei mir.“

Heinz steigt aus dem Bett um sich anzuziehen. Er lächelt Robert noch wehmütig zu, um ihn zu verlassen.

 

Kaum ist Heinz weg, läutet es. Der 19jährige steht vor der Türe.

„Darf ich rein? Hat Heinz von dir was übrig gelassen?“

„Ach, ja, bist du Otto?“ Robert hat den Jungen bisher nicht nach seinen Namen gefragt.

„Ja, langsam beginnst du mich zu registrieren.“ Otto beginnt sich auszuziehen.

Robert, der noch immer nackt ist, sieht ihm erstaunt zu. Er kann es kaum glauben, doch der unscheinbare magere Junge erregt ihn erneut. Dabei hat er sich, bei dem schönen erregenden Heinz, fertig gemacht.

„Komm wir haben die ganze Nacht Zeit.“ Otto zieht ihn mit seinen dünnen Armen ins Bett.

Sie schlummern einige Stunden miteinander. Als Robert aufwacht wird er von Otto am ganzen Körper gekost.

„Ja“, seufzt er verlangend. „Lass mich dich lieben.“

„So viel du willst. Soviel du kannst.“

Wie jedes Mal, saugt auch diesmal Otto Robert aus. Erschöpft sinkt der Mann zur Seite.

„Du bist so unglaublich geil“, staunt er über den Jungen.

„Du bist dafür so wahnsinnig kräftig“, jubelt Otto.

Eng umschlungen schlafen sie den Rest der Nacht. Als Robert aufwacht, steht Otto bereits in der Küche und richtet ein Frühstück.

„Ich habe Tee zur Eierspeise gemacht. Passt besser. Kaffee gibt es dann später zur Jause.“

„Gut.“ Robert nimmt es hin.

Nach dem Frühstück verabschiedet sich Otto. „Ich muss noch was arbeiten gehen“, grinst er.

 

Robert verbringt den Sonntag alleine. Bei seinem Stadtbummel trifft er mehrere Freunde die ihn aufziehen. „Na wieso bist so allein?“

„Musst eben bei deinem Alten zu Kreuze kriechen.“ Wie Mehrere, spielt er auf den Bruch seiner Partnerschaft an.

Zwei Monate sind inzwischen vergangen. Robert geht sein ehemaliger Freund nicht ab. Die Jagd nach Heinz hält ihn auf trapp. Der 19jährige Otto sorgt für mehr Befriedigung, als er leisten kann. Etwas fehlt ihm trotzdem.

 

Nach zwei Wochen, Otto hat ihn inzwischen mehrmals besucht, sieht er in einem Coffee Shop, auf der Mariahilferstraße, Heinz. Er ist in Begleitung eines 54jährigen Glatzkopfs. Der schlanke aufrechte Mann wirkt, wenn er ruhig steht, sehr elegant und männlich. Kaum bewegt er sich, flattern die Hände, schwingt die Hüfte, klirren die Armreifen und man sieht, wie er wirklich ist. Eine überhebliche, besserwissende Tunte. Robert überlegt noch ob er Heinz ansprechen darf, da winkt der ihm zu.

„Robert komm doch zu uns rüber“, jauchzt er, mit seiner angenehmen jugendlichen Stimme.

Robert geht zu ihnen an den Stehtisch. „Robert“, stellt er sich vor.

„Reinhard“, lächelt ihn der 54jährige an. „Du schaust gut aus. Heinz hat mir erzählt wie gut du ihn hergenommen hast.“

„Ich, ja ich habe, ja“, stammelt Robert. Er ist verwirrt. Heinz kann doch seinem Mann nicht alles erzählt haben?

„Es hat Reinhard angemacht, als ich im genau erzählt habe, wie du mich von vorne nimmst.“

Robert muss schlucken. Das wird ja immer Schöner. Da weiß der Alte sogar die Details. Er fühlt sich nackt. Unbewusst prüft er, ob auch sein Hosentürl zu ist. Reinhart grinst, seinen Kopf kokett herum werfend.

„Du machst es doch auch mit Otto?“, lauert er. „Lass es uns doch einmal zu viert machen.“

Robert kippt seinen Kaffee runter. „Ja sicher gerne“, murmelt er, um sich gleich darauf zu verabschieden.

 

Am Freitag steht Otto, wie schon oft, vor seiner Türe. Er trägt eine kurze Baumwollhose, die fast schon einer Unterhose gleicht und ein weites buntes Hemd das über der Hose getragen wird. Gelbe Socken und Puma Schuhe machen sein schwules Aussehen perfekt.

„Ich komme dich abholen.“ Er strahlt Robert an.

„Wieso?“ Robert trägt an diesem heißen Tag in seiner Wohnung nur die Unterwäsche.

„Reinhard hat dich doch eingeladen. Zieh dir eine Hose über und lass uns ein Taxi nehmen.“

„Aber ich weiß nicht?“ Robert fühlt sich überfahren.

„Willst du Heinz?“ Otto schaut Robert streng in die Augen.

Seltsam wie blassgrau seine Augen sind. So anders als bei Heinz.

„Ja“, würgt Robert raus, „und was machst du?“ Robert ist nicht klar wie das Treffen funktionieren soll.

„Ich lass Reinhard bei mir machen. Gemeinsam schauen wir euch zu“, kichert Otto.

„Das ist pervers.“ Robert ist entsetzt. Er hat zwar auch schon in Saunas Sex vor Anderen gehabt, doch war es dort meist dunkel bis finster. Die Voyeure waren anonyme Kerle, die sich selbst miteinander beschäftigten. Jetzt schauen ihm aber zwei Männer gezielt, vergleichend, die Aktion kommentierend, zu.

„Ja, irre pervers. Komm endlich bevor unsere Gastgeber erkalten. Noch laufen sie heiß.“

Robert zieht eine Jean über, steckt Geld ein und ruft ein Taxi.

 

Reinhard öffnet ihnen. Er trägt einen Bademantel. Heinz im Hintergrund ist nackt. „Macht euch frei“, lächelt, sich die Lippen leckend, der reife Faun. Er schließt die Türe und lässt sogleich den Bademantel auf den Boden fallen. Die Gäste schlüpfen ebenfalls aus ihren Kleidern.

Heinz der, aus seinen dunklen glühenden Augen, Robert anstarrt, reicht ihnen einen Aperitif.

„Ich habe nur ein paar Happen hergerichtet. Um ein richtiges Menü zu genießen, haben wir zu wenig Freiraum neben dem Spiel.“

Roberts Finger berühren die Finger von Heinz, als er ihm das Glas reicht. Es elektrisiert ihn. Seine Erregung ist sichtbar geworden.

„Nehmt das Sofa“, lädt Reinhard sie ein.

Heinz zieht Robert auf das Sofa. Otto steckt kichernd, Reinhard ein Brötchen in den Mund.

„Willst du erst zusehen, oder auch gleich spielen?“

„Beides“, grunzt der ebenfalls geil Gewordene.

Sie spielen kreuz und quer. Zwischendurch essen und trinken sie. Da auch schärfere Sachen konsumiert werden, wird es eine besoffene Geschichte. Robert muss in einem hellen Augenblick feststellen, dass er gerade den Alten liebt. Auch egal. Nur weiter. Aus der Stereoanlage klingt der Bolero. Als er zu Ende geht kommt Robert zum Höhepunkt. Erst kreischend, dann schluchzend sinkt er auf den alten Körper. Reinhard stöhnt zufrieden auf.

 

Am Samstag gegen 11 Uhr steht Robert benommen auf. Neben ihm am Sofa liegt Otto. Reinhard liegt etwas entfernt auf dem Teppich. Heinz ist nicht zu sehen.

„Willst du ein Frühstück?“ Will der erwachende Otto wissen. „Wir können auch in einem Restaurant Mittagessen?“

Robert sieht auf den nackten mageren Körper runter. Seltsam letzte Nacht war er mir lieber als Heinz. Wenn er vergleicht, ist Heinz der Schöne und Otto der Bessere.

„Ziehen wir uns an und gehen ins Restaurant“, fordert er deshalb.

Otto jauchzt auf. Endlich wird er von Robert ernst genommen. Er spürt, dass Robert sich für ihn entschieden hat. Das Ziel, das er vom Anfang an hatte. Sie gehen in ihrem seltsamen Outfit in das Beisel am Eck. Ein Fiaker Gulasch und ein Bier. Das Beste bei einem Kater.

„Heinz gibt sich ruhig hin. Ist es das was du willst?“

„Nein“, erstaunt sieht Robert ihn an. „Du bist der bessere Partner. Nur Sex ist nicht alles.“

„Ich würde bei einer Party richtig kochen. Nicht nur Happen richten.“

„Willst du eine Hausfrau sein“, lacht Robert. Er ist es gewohnt alleine zu leben. Auch in den sieben Jahren, haben sowohl er, als auch sein Partner, eine eigene Wohnung gehabt.

„Ich will mit meinem Partner zusammen leben. Während meiner Studienzeit werde ich dir auf der Tasche liegen. Glaubst du, das schaffst du?“

Direkter geht es kaum. Otto will ausgehalten werden. Klar ein junger Bursche und er ist bereits über 30. Robert findet in diesem Fall, ist der hübsche erregende Heinz schon der Bessere.

„Natürlich zieh bei mir ein.“ Hört er sich zur eigenen Verwunderung sagen.

Otto umarmt ihn, obwohl sie in der Öffentlichkeit sind, und raunt ihm ins Ohr: „Du wirst es nicht bereuen.“

Robert zahlt. Sie fahren mit dem Taxi bei Ottos Eltern vorbei, um seine Sachen zu holen. Wie betäubt macht Robert mit.

„Werden Sie auch nett zu unserem Jungen sein?“ Wird er von Ottos Mutter gefragt.

„Ja, werde ich.“ Was soll er sonst sagen.

Er ist erleichtert, als Otto endlich alle seine persönlichen Sachen beisammen hat. Bepackt streben sie dem Taxi zu, um zur Wohnung zu fahren.

 

Robert hat es nie bereut. Nach zwanzig Jahren wohnt Otto noch immer bei ihm. Otto hat fertig studiert, eine gute Stelle bekommen und sie haben sich eine größere Wohnung zugelegt. Da sie Beide Seitensprünge vermeiden, hat Robert nur ein paar Mal Heinz getroffen. Es war ihm egal. Der Reiz ist verflogen. Der unscheinbare Otto ist eine wahre Erfüllung. Häuslich, aufgeschlossen und ein echter Kumpel. Der ideale Partner fürs Leben.