Heinz

Es ist in den 50er Jahren, in einer renommierten Fachschule mit Maturaabschluss. Die Gesellschaft entspricht noch dem, von der römischen Kirche propagierten Ideal, von einer Sex losen Vermehrung. Dementsprechend sind die 16jährigen Schülerinnen in der Schule, trotz geheimer Tuscheleien, brave unbefleckte Mädchen. Auch die Burschen sind, mangels Gelegenheit, nur in ihren Träumen und Erzählungen aktiv. Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Gerlinde hat die Liebe entdeckt. Wer der Erste war weiß sie selber nicht mehr. Es ist auch anfangs nur ein unbeholfenes Spiel, das sie aber immer weiter ausbaut. Einen nach dem Anderen vernascht sie. Ihr Hunger ist enorm und kann kaum gestillt werden. Die eigene Klasse hat sie fast durch, da nimmt sie sich die älteren Burschen aus anderen Klassen vor. Sie ist, mit ihren 170cm. für ihr Alter ungewöhnlich groß. Mit ihren groben Knochenbau wirkt sie maskulin und dominant. Die Brüste sind ebenfalls schon stark entwickelt. Lange leicht gelockte Haare umrahmen ihr Gesicht und leuchten goldig, vor allem im Sonnenlicht. Eine Walküre, bei der ein Junge Chancenlos ist, wenn sie ihn als Ziel auserkoren hat.

 

Heinz, zart, brünett mit einer Stoppelfrisur, leuchtend dunkelbraune ins grünliche schimmernde Augen, kleinen Grübchen die sich bilden wenn er lacht, das tut er oft, ist in Gerlindes Fadenkreuz geraten. „Ah, der muss süß sein“, stellt sie fest. Heinz ist schüchtern und zurückhaltend. Mit den Schulfreunden nimmt er nicht einmal am geselligen Wichsen teil. Verschämt macht er es hin und wieder, um sich danach dafür zu schämen.

 

Professor Otto, der Lehrer in einem technischen Fachbereich, ist der Vater von Gerlinde. Er hat zwar selten, man muss vorsichtig sein, doch mehrmals Sex mit Burschen aus der Schule. Auch ihm sticht der liebliche Heinz ins Auge. Zweimal schon hat er einen Versuch unternommen, Heinz zu verführen, doch dank der Naivität des Jungen ist er gescheitert.

 

„Ich zeige dir was Schönes“, lächelt Gerlinde Heinz am Ende der letzten Stunde an.

„Hm, was?“ Heinz ist neugierig. „Hast du es hier?“

„Nein drüben in der Abstellkammer. Ist nur für dich bestimmt.“ Gerlinde ist bereits feucht. Sie sieht in das rosige Gesicht mit dem Bartflaum. „Du wirst einiges lernen.“

„Oh, gelernt habe ich heute schon genug“, wehrt Heinz ab.

„Dummerl, ich bring dir etwas Neues bei. Ganz sicher keine Schulweisheit.“

„Na gut gehen wir hinüber.“ Heinz will wissen, was es so Schönes gibt.

Sie gehen in die fensterlose Abstellkammer. Besen, Schaufeln und Kübel stehen herum. Es ist wenig platz. Gerlinde überlegt noch ob sie das Licht, Heinz hat es angeknipst, wieder löschen soll. Doch freut sie sich darauf, den erregten hübschen Jungen dabei zuzusehen. Kaum ist die Türe zu, umarmt sie Heinz, um ihm ihre Lippen auf seinen Mund zu pressen. Heinz ist erst überrascht und wehrt sich da er es unangenehm findet. Gerlinde die genug Erfahrung gesammelt hat, greift ihn oben an. Dann in die Hose. Heinz fühlt eine Erregung. Unerfahren wie er ist, wird er rot und starr vor Angst. Was geschieht jetzt mit mir? Gerlinde hat ihren Rock nach oben geschoben. Höschen trägt sie keines, sie hat sich auf das Treffen vorbereitet. Heinz rutschen die Hosen runter. Er ist wie gelähmt vom nervösen Schreck.

 

Er ist beinahe in Gerlinde eingedrungen, da reißt Otto die Türe auf und faucht: „Was macht ihr hier?“

„Mach die Türe zu und lass uns.“ Gerlinde ist nicht im Mindesten verunsichert. Sie kennt ihren Vater, auch seine Vorlieben.

„Lass den Jungen in Ruhe!“ Otto wird lauter. Ihn stört es, dass Heinz von einem Mädchen, sogar seiner Tochter, in das Liebesspiel eingeführt wird. Er will das selbst machen.

„Mach die Türe zu“, schreit nun Gerlinde. „Du bist zu spät, der Süße gehört mir.“

„Verdammt der ist doch viel zu zart für dich“, brüllt wütend Otto. „Halte dich an die Älteren, wenn du es schon so nötig brauchst.“

„Mir reicht’s“, schrill kreischt Gerlinde, ihr ist die Lust bereits vergangen.

 

Das Geschrei hat inzwischen andere Schüler und auch Lehrer herbei gelockt. Mit offenen Mündern schauen die Schüler, mit Empörung reagieren die Lehrer.

„Ich habe die Zwei bei dieser Schweinerei erwischt.“ Otto der die Ansammlung als erster registriert, rudert zurück.

Auch Gerlinde sucht nach einer Rechtfertigung. „Heinz hat mich in die Kammer gelockt“, schluchzt sie auf. Ihr Rock ist nach unten gerutscht.

Die Hosen von Heinz sind noch unten. Starr vor Entsetzen, denkt er auch viel zu spät daran, sie hochzuziehen.

Ein anderer Professor winkt ihm zu. „Komm heraus zum Direktor, das wird ein Nachspiel haben.“

Mit hängendem Kopf, tappt Heinz hinter dem Professor her. Die grinsenden Mitschüler zischen höhnische Bemerkungen. Teils sind sie neidig, weil Heinz es, wie sie glauben gemacht hat, teils gönnen sie dem Vorzugsschüler den Ärger.

 

Im Direktionsbüro, einem dunkel möblierten Raum, sitzt der Direktor der Schule hinter seinem pompösen Schreibtisch. Das Fenster ist offen, Tauben gurren außen am Fenstersims. Ein freundlicher sonniger Tag, kaum für eine Tragödie geeignet. Der Direktor der Schule kennt Heinz. Oft genug haben ihn die hervorragenden Leistungen des Burschen beeindruckt. Nun seufzt er auf, als der Professor ihm berichtet, wie Professor Otto in dabei erwischt hat, ein Mädchen zu verführen, wahrscheinlich sogar zu vergewaltigen.

„Lassen Sie uns alleine.“ Der Direktor will Heinz unbeeinflusst befragen. Es kann doch nicht sein. Ein so guter Schüler?

„Was ist geschehen?“ Als sie alleine sind. Er deutet Heinz sich zu setzen.

Heinz beginnt verstört sein Erlebnis zu berichten. Der Direktor meint, er muss noch mit Gerlinde und Professor Otto sprechen. Im Nebenraum soll Heinz warten, bis erst Otto, danach Gerlinde ihre Version abgegeben haben.

Otto gibt an, „ich habe ein Geräusch aus der Kammer gehört und bin hinein um nachzusehen.“ Tatsächlich ist er hinter Heinz hergeschlichen und hat die Zwei hinein gehen gesehen.

„Und was haben Sie gesehen?“

„Da hat der Bursche, das sich wehrende Mädchen gegen die Stellage gedrückt. Seine Hosen hat er schon offen gehabt.“

„Gerlinde ist doch Ihre Tochter? Was haben sie weiter gemacht?“

„Ich war im ersten Moment erschüttert. Natürlich habe ich wie am Spieß gebrüllt: Er soll aufhören. Das können die Schüler die zusammengelaufen sind bestätigen.“ Er nimmt an von den Schülern hat niemand den genauen Text mitbekommen. Sie werden schon bestätigen, was ein Professor behauptet.

Gerlinde kommt schniefend ins Büro des Direktors. „Ich wusste erst nicht was er will, dann habe ich mich gewehrt. Es ist so schrecklich.“

„Beruhige dich Kind. Hoffentlich ist dein Vater rechtzeitig eingeschritten.“

„Ja, Gott sei Dank“, schluchzt Gerlinde auf. Leider, denkt sie.

Der Direktor ist noch immer unsicher. Fast ist er versucht die Erzählung von Heinz zu glauben, doch die Beiden stimmen mit ihrer Aussage überein. Er holt Heinz aus dem Nebenraum.

„Sowohl das Mädchen, als auch Professor Otto belasten dich schwer. Warum wolltest du das Mädchen vergewaltigen?“

„Das wollte ich doch nicht.“ Heinz ist am Ende. Die Lügen machen ihm mehr zu schaffen, als das Erlebte. „Gerlinde hat mich in die Kammer gelockt.“

„Nun Professor Otto hat gesehen, wie du mit Gewalt das Mädchen bedrängt hast.“

„Professor Otto hat Gerlinde beschimpft. Er wollte mich haben.“ Heinz versteht zwar noch nicht was sich zwischen Gerlinde und Otto abspielt, doch das sie sich um ihn gestritten haben, hat er mitbekommen.

„Also, das ist jetzt aber unerhört.“ Den Direktor reißt die Geduld. „Beschuldigst du einen Professor, hch, hch. Noch dazu, das er homosexuelle Gelüste hat. Ich kann mir nicht helfen, aber du verlässt sofort die Schule. Du bist eine große Enttäuschung.“

Heinz will noch etwas entgegnen, begreift jedoch dass jedes seiner Worte sinnlos verhallt. Er resigniert, holt seine Tasche aus der Klasse. Die Mitschüler grinsen hämisch. „Das hat er davon“. Er verlässt die Schule. Am meisten betrübt ihn, dass keiner seiner Freunde und Klassenkameraden ihm zur Seite steht und die Wahrheit über Gerlinde erzählt.

 

Für Heinz ist die Geschichte noch nicht ausgestanden. Seine Eltern sind wütend. Selbst sie glauben ihm nicht ganz. Er kann, auf Grund des schweren Vorfalls, auf keine andere Schule gehen. Niemand nimmt ihn auf. So versucht er in einer Lehre, das was er an der Schule begonnen hat, fertig zu machen. Ein Jahr wird ihm angerechnet, wenn er als Fotolehrling beginnt. So lautet die Auskunft am Jugendarbeitsamt.

„Na, ja, bei mir nicht. Was glaubt der junge Mann den?“ Kopfschüttelnd über die Frechheit, eine der Absagen.

„Das geht nicht. Bei mir arbeitet meine Tochter.“ Eine Andere.

Meist erfolgt nur ein „hm, nein, nein.“

Heinz rennt im Kreis. Fast hat er alle verfügbaren Lehrstellen abgeklappert, da erhält er eine Zusage.

Eine junge 25jährige Fotomeisterin meint, „schau, schau, Sie haben einen nicht gerade guten Ruf. Ehrlich ich kann sie mir nicht als Draufgänger vorstellen.“

„Ja, es war nicht ganz so, wie es behauptet wird.“ Mit rotem Kopf steht Heinz, mit seinem Zeugnis, vor der kleinen blonden Frau.

„Wie immer, ich habe keine Angst. Fangen Sie bei mir an.“

Heinz ist glücklich. Er wird zwar in der Berufsschule mit einigen Professoren aus der Fachschule konfrontiert werden, hofft aber, dass sie ihn trotz aller Vorurteile, nach seinen Leistungen beurteilen werden.

 

Die Fotografin, Irene Salm, ist mit ihren künstlerischen Bildern bekannt geworden. Geschäftlich ist sie weniger erfolgreich. Einige Künstler und Möchtegernkünstler drängen in ihr Atelier. Die bereits Künstler sind, zahlen nichts, da es ja eine Werbung für das Atelier ist, wenn sie sich fotografieren lassen. Die gerne Künstler wären, zahlen wenig weil sie nichts haben. Heinz hat bald heraus wie der Hase läuft. Nämlich in einen geschmalzenen Konkurs.

Irene ist seit kurzem Witwe und hat zwei Söhne. Bisher hat ihr Gatte sich um die Finanzen gekümmert. Öfter auch etwas, zu der Liebhaberei seiner Gattin, zugeschossen.

 

Heinz erlebt auch bald in der Schule, er hat nun neue Kameraden, dass er weiter Tagesgespräch ist. Die Burschen wollen neugierig wissen wie es war, die Mädchen halten sich ängstlich von ihm fern.

Ein Lehrer stellt sogar fest: „Ist ja klar, das sich unser Casanova an eine junge Witwe ran macht.“ Gelächter begleitet diese Äußerung.

Heinz muss sich zurück halten. Er würgt alle Beleidigungen, die folgen, hinunter.

„Machst du es wirklich mit der alten Frau?“, kommt von einem 15jährigen Schüler die Frage. Für ihn ist eine 25jährige bereits alt.

Wie in vielen Schulklassen, gibt es natürlich auch jetzt Einen der Erfahrung hat und der damit prahlt. Er macht Heinz runter mit der Behauptung: „Du bist ja zu blöd um es mit einem Mädchen zu machen.“

Heinz denkt, er hat Recht, doch leider wird mir nicht geglaubt. Heinz verbringt die zwei Jahre als Außenseiter, der mit Ach und Krach den Schulabschluss schafft. Seine Kenntnisse werden nicht voll akzeptiert, auch haben sie stark nachgelassen, da der Frust sich immer mehr bemerkbar macht. Heinz hat die Lust verloren. Die Materie Foto und Kunst kann ihm gestohlen werden.

 

Im Atelier Salm darf und kann er sich dafür voll entfalten. Selbstbewusst beschließt er die Geschäfte des Ateliers zu ordnen. Er hält eines Tages einem erfolgreichen Tenor einfach die Rechnung vor die Nase.

„Ach, ich brauche das nicht“, kommt es hochgestochen. „Wo ist Irene, meine Freundin?“

„Im Büro, dort studiert sie den tiefroten Kontoauszug. Ihrer Freundin schulden Sie eine Menge Geld, so dass sie nicht mehr weiter kann. Ist es das, was Sie wollen?“

„Wie? Was? Sie können doch nicht behaupten dass ich Schuld bin?“ Der Tenor ist sichtlich verlegen.

„Sie und andere. Zahlen Sie?“ Heinz hält ihm noch immer die Rechnung hin.

„Na gut, aber ich weiß nicht, ob ich wieder komme“, schnauft der Tenor.

Heinz bekommt das Geld. Bei der nächsten Kundin, die Bilder sind besonders gut gelungen. Frau Salm hat sich selbst übertroffen. Eine Tänzerin in Bewegung. Das lange Halstuch schwebt um die schlanke Gestalt. Heinz hat die Fotos zwar gezeigt, doch wieder an sich genommen, bevor er der Dame die Rechnung präsentiert.

„Oh, das ist aber viel“, spitz will die Dame das Papier zurückstoßen, „ich habe Sonderkonditionen.“

„Das geht leider nicht mehr. Ich darf die Fotos nur gegen Bargeld ausfolgen. Wir brauchen das Geld für die Miete.“

„Na für die Miete müssen eben die übrigen Kunden sorgen.“

„Sagt Jeder, so wie Sie.“ Heinz ist nicht bereit die Bilder auszufolgen.

Die Dame die sie bereits gesehen, verschlingt sie mit ihren gierigen Augen. Sie schnauft, sie grunzt und gibt nach. Sie zahlt. Heinz verfährt auf diese Art mit allen Künstlern. Irene die sich tatsächlich in ihrem Büro befindet, traut sich nicht in den Empfangsraum. Heinz hat es ihr kategorisch verboten. Mit aufgerissenen Augen, hat sie das Verbot von ihrem Lehrbuben zur Kenntnis genommen. Kurz den Mund aufgemacht um etwas zu entgegnen, doch gleich wieder zugemacht. Der hübsche so weich wirkende Junge, hat unglaublich männlich und bestimmt gewirkt. Am Abend des ersten Tages nimmt sie freudig das eingenommene Geld entgegen und lässt Heinz in den nächsten Tagen weiter agieren. Die teilweise wütenden Kunden, die drohen nie wieder in das Atelier zu kommen, kommen wieder und bezahlen künftig brav, ohne Kommentar. Den teils mittellosen Jugendlichen, die sich mit den Fotos vorstellen gehen, verrechnet Heinz ebenfalls den vollen Preis. Lässt sie aber Schuldscheine unterschreiben, die sie wenn sie geeignete nachweisbare Werbung für das Atelier machen, abarbeiten können. Heinz hat die Kassa und auch die Buchhaltung ganz an sich gerissen. Irene akzeptiert es. Bald ist das Atelier in Künstlerkreisen, Agenturen, Theatern und Opernhäusern bekannt. Es kommen trotz der harten Bedingungen sogar mehr Kunden in das Atelier als zuvor.

Nun gelingt es Heinz, von einem renommierten Theater, einen Reportage Auftrag zu bekommen. Irene ist begeistert. Langsam sieht sie Licht am Horizont. Das Geld plätschert in die Kasse.

„Ich will weiter aktiv werden. Zahl mir eine Provision.“

Irene ist erstsaunt, weniger wegen der Geldforderung, die hat sie schon erwartet, sondern weil sie Heinz einfach duzt.

Heinz merkt wie sie zögert, „ich habe dir doch die Kastanien aus dem Feuer geholt, oder siehst du es anders?“

„Nein, nein, das passt schon.“ Irene fasst sich. Der Junge hat ja Recht. „Du sollst deinen Anteil bekommen. Was hast du noch vor?“

„Wir werden Hausfotograf für Theater, Oper und Privatfotograf bei Malern, Komponisten und so weiter. Wirst sehen, deine Bilder werden sie uns aus der Hand reißen.“ Heinz hat sich erregt und hält eine flammende Rede über seine Pläne.

Irene ist fasziniert der Bursche ist hübsch und seine Aufregung macht ihn noch schöner. Heinz gelingt es im folgenden Jahr den Umsatz zu steigern, die Werbung für Irene zu perfektionieren und das Atelier wird zur Goldgrube. Dank seiner Provision schneidet auch Heinz gut mit.

 

Eines Tages steht Professor Ernst, jener Lehrer der Fritz zum Direktor geschleppt hat, im Empfangsraum.

„Du musst mir helfen“, stammelt er. „Gerlinde hat versucht mich zu verführen. Sie behauptet ich hätte sie berührt.“

„Na und? Was wollen Sie von mir?“ Heinz findet es unverfroren, dass ausgerechnet der Mann der ihn schwer belastete, obwohl er nichts gesehen hat, nun seine Hilfe sucht.

„Ja du musst aussagen, wie Gerlinde sich verhält.“ Prüfend fordernd, wie er es als Lehrer gewohnt ist, schaut er den 17jährigen an.

„Das glaubte mir doch niemand. Sie waren der Erste der mich beschuldigte.“ Heinz findet es lustig. Jetzt ist der übereifrige Moralapostel selbst eingefahren.

„Ja aber jetzt wird man dir glauben. Du kannst jetzt deine Unschuld beweisen.“ Der Junge begreift reichlich schwer, denkt Professor Ernst. Es muss ihn doch freuen, nun einen Fürsprecher zu haben.

„Für mich ist die Sache gelaufen. Man kann das Rad des Geschehens nicht zurück drehen. Die Beschimpfungen, die ihr Vorurteil auslöste, werden so und so nicht verstummen.“

„Wirst du nicht aussagen?“ Ernst ist fassungslos. Für ihn steht alles auf dem Spiel.

„Nein, lassen sie mich in Ruhe.“

„Man wird mich von der Schule weisen. Meine Kariere ist damit zu ende. Mein Leben zerstört. Das kannst du doch nicht wollen?“

„Meine Kariere ist auch zu Ende, und ich habe noch mein ganzes Leben vor mir. Ihres geht zur Neige.“ Heinz geht zur Türe um sie zu öffnen.

Ernst begreift, er geht mit hängendem Kopf hinaus.

 

Später, Heinz ist bereits beim Militär, erfährt er auch, dass Professor Otto aufgeflogen ist. Er trauert ihm nicht nach.

 

Heinz ist es geglückt die Musikgesellschaft, mit den Musterbildern der Irene Salm, zu begeistern. Er fliegt mit ihr nach New York. Im Astoria steigen sie ab.

„Bist du von allen guten Geistern verlassen?“ Irene ist entsetzt als das Taxi sie vom Airport zum noblen Hotel fährt.

„Nein, glaube mir, es ist notwendig.“ Heinz grinst. Er hat erwartet dass Irene tobt, sobald sie von seiner Reservierung erfährt. „Wir wollen die Stardirigenten, die Starsänger und die Spitzentänzer vor die Linse locken. Willst du sie in einer billigen Kaschemme in Harlem empfangen?“

„Ja aber gleich im teuersten Haus?“ Irene tobt zwar nicht, ist aber verzweifelt. Das kommt nie wieder rein.

„Es kommt locker wieder rein.“ Heinz kann sich denken was Irene durch den Kopf geht. „Wenn nicht sofort so innerhalb des Jahres.“

„Nun, es ist passiert. Ich glaube kaum das du es noch ändern kannst?“

„Nein, die Einladungen an alle an der Metropolitan tätigen Künstler sind draußen.“ Heinz ist froh, dass er es von Wien aus geregelt hat.

Er hat richtig gehandelt. Die Adresse beeindruckt und es kommen alle Stars und die, die welche werden wollen. Heinz hat mit den Terminen gewaltige Probleme. Oft muss er im letzten Augenblick abschätzen, wem er den Termin gibt, wer Vorrang hat. Nach drei Wochen ist Irene geschafft. Sie müssen mit dem Aufnahmematerial heimkehren, um alles auszuarbeiten und zu versenden. Heinz hat großzügig Anzahlungen kassiert. Vom Hotel ist ihm ein Anwalt genannt worden, der treibt Restbeträge der schleppenden Zahler ein. Das Groß langt pünktlich ein. Ein kleiner Rest ist nicht einbringbar. Noch Jahre danach kommen Nachbestellungen. Irene ist eine weltweit anerkannte Fotografin.

 

Heinz beendet kurz darauf seine Lehrzeit. Irene will ihn behalten. Er hat andere Pläne.

„Bis ich einrücken muss bleibe ich noch bei dir. Nach dem Präsenzdienst, will ich in die Werbung und den Handel gehen. Als Fotograf tauge ich nicht viel.“

„Ja das stimmt. Bei mir kannst du doch, so wie bisher das Geschäft führen und um die Kunden werben.“ Irene hat in den zwei Jahren, Heinz kaum an die Kamera gelassen. Nur im Labor haben sie Seite an Seite gearbeitet.

Die Prüfung zum Gesellen hat Heinz auch nur mit Ach und Krach bestanden. Ein Beisitzer der Kommission wollte ihn, höhnisch grinsend, sowieso durchrasseln lassen. Es gibt noch immer schlimme Gerüchte über sein Sexualverhalten. „Der hat es doch mit seiner Lehrherrin getrieben, so wie er es schon in der Schule gemacht hat.“

 

In New York hat Heinz Katharina Prado kennengelernt. Sie malt halb Fototechnisch, halb Surreal. Eine Mischung die viele verrückt finden, aber wesentlich mehr Menschen begeistert. Heinz hat ihr spontan versprochen, Vernissagen in Europa zu organisieren. Im Organisieren von Veranstaltungen sieht er seine Zukunft.

 

 

In Venedig im Theatro La Fenice passiert es. Heinz ist mit Irene spät am Abend angekommen. Sie sind mit dem Auto von Wien her gefahren. Irene ist fertig und müde. Sie ist keine gute Autofahrerin. Heinz muss mehrmals die Augen schließen, so gespenstisch waren manche Situationen. Außerdem regnet es. Venedig im Herbst und bei Regen, ist nicht der Traum, von dem immer geschwärmt wird. Bei einem berühmten Ballettmeister hat Heinz sie angemeldet. Seltsam hat es Heinz gefunden, als Roberto Catalano, der Ballettmeister ein Foto von ihm verlangte. Er hat es ihm geschickt und prompt die Einladung erhalten.

Heinz hat in dem von Roberto empfohlenen Hotel nahe des Fenice eine Suite für Irene, das Studio und ein Zimmer extra für sich bestellt. Vom Gritti Palace am Campo Santa Maria del Giglio ist über zwei Brücken das Theater zu Fuß erreichbar. Die Kamera mit der Blitzanlage und einigen Requisiten wird vom Parkplatz am Festland mit dem Boot zum Hotel gebracht.

„Weshalb hast du ein getrenntes Zimmer? Haben sie keine Suite mit zwei Schlafräume?“ Irene Salm ist verwundert. Hat der 18jährige vor ihr Angst?

„Nein das ist es nicht.“ Heinz druckst herum. „Dieser Ballettmeister hat es mir nahe gelegt.“

Irene schaut ihn mit großen Augen an. Ja der Junge ist schön, doch dass sich Männer für ihn interessieren überrascht sie. „Sei vorsichtig. Manche sind sehr rücksichtslos.“

„Ich fürchte mich nicht. Ich gehe rüber ins Theater um ihm unsere Ankunft zu melden.“ Heinz kann es kaum erwarten den festen Auftrag schriftlich zu erhalten. Bisher ist alles nur mündlich am Telefon abgesprochen worden.

 

Heinz spaziert, trotz der späten Stunde, durch die feuchte Nacht zum Theater. Es sind in der sonst von Touristen überfüllten Stadt nur wenige Menschen unterwegs. Als er mit einem mulmigen Gefühl über die Brücke geht, glitzert das Wasser schwarz in der dunklen Nacht. Schatten huschen vermummt vorbei. Beklommen geht er durch eine der schmalen Gassen und atmet auf als er den Bühneneingang erreicht. Was wird der Tänzer von ihm wollen? Wie wird es sein? „Egal wie spät es wird. Ich erwarte dich“, hat Roberto am Telefon gefordert.

Heinz meldet sich bei dem Portier an. „Ich bin bei Herrn Catalano angemeldet.“ Irgendwie hofft er dass er nicht erreichbar ist.

„Si, Catalano“ der Mann zeigt mit der Hand den Weg. Gerade in den Gang hinein. Sein breites Grinsen verrät, dass er Bescheid weiß was es mit dem späten Besucher in der Garderobe auf sich hat.

Es ist ein kleines verschachteltes Büro. An geräumt mit unglaublich vielen Requisiten. Mitten drin der schlanke gut trainierte 32jährige Tänzer.

Er strahlt Heinz an. Trotz des dämmrigen Lichts, es brennt nur eine schwache Glühbirne über dem Spiegel, erkennt Roberto die Schönheit des Jungen. „Hm, schaust besser aus als am Foto. Ziehe dich aus, damit ich deinen Körper bewundern kann.“

Heinz hat zwar etwas Ähnliches erwartet, doch nun ist es ihm doch beängstigend direkt. „Äh, ich bin wegen des Fotoauftrages hier. Wann sollen wir beginnen?“

Roberto sieht ihn schmunzelnd an. „Hier ist dein schriftlicher Auftrag. Morgen kannst du mit den Leuten die Termine für die Aufnahmen vereinbaren. Zur Bühne könnt ihr ab Donnerstag. Da beginnen die Proben im Kostüm.“ Er reicht Heinz ein Blatt Papier.

Heinz nimmt es und wirft einen Blick darauf. Es ist der Auftrag von der Direktion unterzeichnet. „Danke, warum willst du meinen Körper bewundern?“ Was Roberto wirklich will, ist Heinz klar.

„Ich liebe die Körper junger Männer. Du hast vermutlich einen schönen und zarten. Sei nicht empfindlich, lass ihn mich streicheln.“

Heinz schaudert, als er den gierigen durchdringenden Blick des Mannes spürt. Langsam zieht er sich zuerst die wetterfeste Jacke aus. Dann die Schuhe. Als er auch den Pullover abstreift, hört er wie Roberto schluckt und schmatzt. „Jetzt die Hose, lass dir ruhig Zeit.“ Verlangend leckt Roberto seine Lippen.

Heinz folgt. Mit Entsetzen merkt er, wie er sich erregt. Was jetzt? Roberto wird es sehen. Obwohl sich Heinz verstohlen umdreht, als er sich die Socken auszieht, um seine aufgebauschte Unterhose zu verbergen, hat es Roberto bemerkt. „Das Hemd, jetzt drehe dich zu mir“, scharf kommt der Befehl. Roberto ist von dem was er bisher zu sehen bekommt, fasziniert. Ein süßer unverbrauchter Jüngling. Nicht die übliche Ballettratte die sich ihm willig aufdrängt, um vorwärts zu kommen.

Heinz zieht das Hemd aus und schlüpft hastig aus seiner Unterhose. Jetzt ist es schon egal. Trotzig steht er nackt mit seiner Erektion vor dem Ballettmeister. „Was jetzt?“

Mit weit aufgerissenen Augen starrt ihn Roberto an. „Ich bin dran.“ Er zieht seinen Jogginganzug aus.

Nackt stehen sie sich gegenüber. Der zarte schlanke Junge und der gut gebaute, muskulöse Mann. Als Roberto Heinz umarmt, beginnt Heinz zu zittern. Aufgeregt will er es endlich wissen. Was ist mit mir los? Weshalb wollte ich bisher kein Mädchen? Roberto deutet es richtig. Einfühlsam beginnt er mit dem Liebesspiel. Es wird für Beide ein erregendes erfüllendes Erlebnis. Für Roberto, der noch nie einen unschuldigen Partner verführt hat und für Heinz der seinen erster Sex erlebt.

 

„Hier war es etwas unpersönlich“, murmelt Roberto. „Ich werde dich in deinem Hotelzimmer aufsuchen, damit wir die Nacht gemeinsam verbringen.“

„Hast du nicht gerade?“ Heinz meint, es ist doch alles geschehen, was geschehen kann. „Was machen wir noch in der Nacht?“

„Lass dich überraschen“, raunt ihm Roberto verliebt ins Ohr. Die unbefangene Naivität erregt Roberto aufs Neue. Er will mit Heinz schlafen und Frühstücken. Wenn es dazwischen noch was gibt, dann auch das.

Sie ziehen sich an, um gemeinsam das Hotel aufzusuchen. Heinz lernt wie man zärtlich zu zweit schläft. Er lernt wie man sich gegenseitig kosend aufweckt. Sie lassen sich das Frühstück aufs Zimmer bringen. Da erfährt Heinz, er ist nicht der Erste, mit dem Roberto hier die Nacht verbringt.

Heinz sucht anschließend im Speisesaal Irene. Sie Frühstückt gerade. Mehrere Teller stehen vor ihr mit den verschiedenen italienischen Köstlichkeiten. Es ist mehr ein Buffet das der Ober ihr gebracht hat. „Setz dich. Lass dir eine Tasse kommen.“

„Danke ich habe schon gegessen. Wir können sofort mit den Aufnahmen beginnen.“ Heinz setzt sich zu ihr an den Tisch.

Irene schaut ihm prüfend in die Augen. „Du hast am Zimmer gegessen? Warst du die Nacht nicht alleine?“

„Nein“, Heinz wird rot. Er kann ihr doch nicht sagen was passiert ist.

„Der vom Ballett?“ Augenzwinkernd stell ihm seine Chefin die Frage. Irene hat es schon länger vermutet, Heinz steht nicht auf Mädchen.

Heinz möchte am liebsten im Erdboden versinken. „Ja“, haucht er kraftlos. Dann hebt er trotzig seinen Kopf. „Na und?“

Irene lacht. „Das ist wirklich deine Sache. Wenn es dir Spaß macht. Mich stört es nicht.“

Die Woche die sie in Venedig verbringen, verbringt Roberto im Bett bei Heinz. Er zeigt Heinz die verschiedenen Spiele die zwei Männer miteinander machen können. Heinz genießt es wie ihn der erfahrene Mann verwöhnt. Er lernt seinen eigenen Körper erkennen, Gefühle zu entwickeln und wie man die Lust steigert. Verwundert stellt er fest wie leicht es ihm fällt sich von Roberto zu verabschieden. Es war schön, doch außer erfüllendem Sex, ist keine Liebe dabei.

 

Zurück in Wien beginnt Heinz die Welt aus anderen Augen zu sehen. Er sieht jetzt die schönen Männer, beginnt sie zu taxieren und einzuordnen. Die begehrlichen Blicke, anderer Kerle weiß er nun richtig zu deuten. Weitere Reisen an Theater und Opernhäuser sind geplant. Sorgsam hört sich deshalb Heinz schon in Wien rum, ob sich dort zumindest dem Gerücht nach ein Homosexueller befindet. An diese Herren sendet er mit der Anfrage auch gleich ein Foto mit. Eine Antwort wonach gefragt wird, weshalb vom Assistenten ein Foto gekommen ist, beantwortet Heinz nicht. Für ihn ist es halt eine falsche Adresse gewesen. So lernt er verschiedene Männer kenne und er erweitert seine sexuellen Kenntnisse. Einige sind für ihn begehrenswert, die Meisten jedoch ein eher geschäftlicher Akt.

 

 

Nach seinem Militärdienst will Heinz ein kleines Vermittlungsbüro aufmachen. Katharina Prado hat er damals in New York versprochen für sie Vernissagen zu organisieren. Hilflos versucht er zu starten. Zu Irene kann er nicht. Die will das er bei ihr weiter macht. Er will aber selbständig werden.

Eigentlich will er bei Kurt Dorner nur spionieren. Der 41jährige ist ein mittelmäßiger Agent. Einige Schauspieler und Tänzer aus der erfolglosen Liga, die er vertritt, haben das Fotostudio aufgesucht. Nun will Heinz eine Referenz für das Künstlerhaus bekommen. Er plant Katarinas Bilder dort zu präsentieren. Mehrere Anläufe haben ihn nicht weiter gebracht. Dorner ist mit dem zuständigen Direktor befreundet. Also will er ihn an die Fototermine erinnern und bitten zu vermitteln.

Im Vorzimmer der schmuddeligen Kanzlei meldet er sich bei der Sekretärin an. „Welche Branche?" will sie wissen.

„Ich, ich", stottert Heinz „komme wegen einer Vermittlung."

"Klar, alle kommen zu uns wegen einer Vermittlung. Na ich gebe Ihren Namen einmal durch." Sie telefoniert mit dem Chef und nennt ihm den Namen.

„Ach, der süße Junge. Der Liebling seiner Chefin“, jubelt Kurt, der aus seinem Büro heraus in den Vorraum stürzt. Die Sekretärin grinst.

„Ich, ja ich“, stammelt Heinz dem diese Begrüßung peinlich ist.

„Komm herein. Ich habe gerade Zeit. Womit kann ich dir helfen?“

„Ich will für eine Freundin, im Künstlerhaus Bilder ausstellen.“

„Hm, eine Freundin. Hast du was mit ihr?“

„Nein, nein, das sind alles nur Gerüchte. Professor Otto hat es mir damals eingebrockt.“

„Ich weiß“, nun grinst Kurt süffisant. „Er wollte dich vernaschen. Verständlich, das will ich auch.“

„Oh“, Heinz bleibt der Mund offen.

„Bin ich hässlicher als die Kerle die du bisher hattest? Glaub ja nicht, in unseren Kreisen weiß keiner was du getrieben hast.“

„Ich, ich“, Heinz druckst herum, wie ein frisch ertappter Gauner. „Na ja, du schaust eh gut aus.“

„Was willst du machen? Du hast doch das Heer hinter dir. Gehst du als Fotograf? Willst du in einer Agentur arbeiten? Erzähle mir von deinen Plänen.“

Heinz weiß nicht was er Kurt verraten kann. Andrerseits will er auch mit jemanden über seine Zukunft reden. Er nickt nur. Als er den Mund aufmachen will, fällt ihm Kurt ins Wort.

„Komm lass uns gemeinsam zu Abend essen. Ich lade dich ein und dann schüttest du mir dein Herz aus.“ Väterlich legt Kurt seinen Arm um Heinz Schulter.

Heinz schaut ihm dankbar in die Augen, was einen Kuss auslöst. Kurt drückt ihn fest an sich. „Bis um sechs.“

 

Um 18 Uhr steht Heinz pünktlich vor der Türe der Agentur. Kurt strahlt. Er hat gehofft dass Heinz kommt, er war sich nicht sicher. Der 20jährige schaut auch zum Anbeißen aus. Kurt kann sein Glück nicht fassen. Es waren doch berühmte und bedeutende Männer die, so erzählt man es sich, mit dem Burschen geschlafen haben und nun steht er zuckersüß vor ihm, um mit ihm zu essen und was Kurt hofft, anschließend zu schlafen.

Sie gehen in ein gerade berühmtes Restaurant. Zwei Hauben und einige Sterne. Es ist pump voll. Kurt kommt öfter her, er ist bekannt und erhält deshalb einen Tisch. Es ist eng. Kurt ärgert sich, es wäre doch in einem mittelmäßigen, dafür intimen Lokal besser gewesen. Hier kann er das intime Gespräch das ihm vorschwebt nicht führen. Die nächsten Tische stehen zu knapp. Bekannte sitzen herum. So lassen sie sich die undefinierbare, berühmte Cremesuppe, das halbrohe Steak und den süßen Auflauf als Krönung schmecken. Heinz isst alles brav ohne Kommentar. Er hat schon in bedeutenderen Häusern gespeist. Viele Männer wollen ihr Ziel mit einem exklusiven Essen erreichen. Kurt wird auch das klar, was seine Stimmung weiter dämpft.

Nachdem er die saftige Rechnung beglichen hat, das teuerste war der Wein, geht Kurt aufs Ganze. „Komm mit zu mir. Bitte vergiss den misslungenen Abend.“

„Es ist nicht misslungen“, lacht Heinz. „Das es nur der Auftakt zum Beischlaf ist, war mir vom Anfang an klar.“

„Ja, ja, dann passt es dir, so mit mir.“ Kurt stammelt. Er leidet etwas an seinem Minderwertigkeitskomplex.

„Klar, lass uns erst den Sex fertig machen und dann erkläre ich dir bei einem Glas Cognac was ich will.“

Sie spazieren zu Kurt in die Wohnung. Es ist nicht weit am Ring, eines der bürgerlichen Palais. Die luxeriöse Wohnung ist Kurts ganzer Stolz. Die Miete kann er sich nur leisten, weil er den Hausherrn öfter geliebt hat. Die ausgesuchte stilgerechte Einrichtung hat er sich vom Ertrag seiner Agentur geleistet. Einzelstücke hat er auf verschiedenen Antiquitätenmärkten günstig erstanden. Sonst ist er gezwungen sparsam zu leben. Das teure Restaurant besucht er nur um, den Jungen den er ins Auge gefasst hat, zu imponieren. Da unterscheidet er sich nicht, von den anderen Kerlen. In der Wohnung übernimmt Heinz die Initiative. Erst nackt im Bett der Sex und anschließend leicht in Unterwäsche das Gespräch am Sofa.

Kurt ist von den Plänen begeistert. „Ich helfe dir. Warum ziehst du nicht bei mir ein? Es kommen zu mir regelmäßig Leute die irgendetwas planen und nicht wissen wie sie es machen sollen.“

„Mach ich. Habe aber fürs erste nicht genug Geld“ erwähnt Heinz.

„Wenn ich sage ich helfe, dann meine ich es richtig. Ich habe auch nicht viel, doch für die ersten Organisationen wird es schon reichen.“ Kurt überlegt und stellt fest, so einen Organisator kann er auch gebrauchen. Das die Salm mit ihrem Atelier aufgeblüht ist, als Heinz bei ihr gearbeitet hat, ist nicht nur ihm aufgefallen.

 

Der Kontakt mit dem Vorstand des Künstlerhauses kann Kurt vermitteln. Heinz ruft Katharina an. Die ist begeistert. Sie hat Heinz schon vergessen. „Er ist doch nur ein Schaumschläger", ist ihr Kommentar. Es sind zwei Jahre seit New York vergangen. Die Vernisage wird ein Reinfall. Heinz hat sich zwar um die Werbung und die Einladungen gekümmert, doch zu wenig um die Gestaltung bemüht. Lieblos hängen die Bilder durcheinander an den Wänden. Erklärungen und Themen fehlen. So sind viele Leute gekommen, die Besonderes suchten und nur Gewöhnliches vorfinden. Die Presse tut den Rest und verreißt die Sache. Obwohl ein Monat geplant ist, muss Heinz die Ausstellung nach zwei Wochen abbauen.

"Na sie müssen noch viel lernen", grunzt ungehalten der Vorstand des Hauses.

Kurt ist tröstend zur Stelle. Ihn freut es, er hat ja getan was geht, nun ist Heinz noch mehr auf ihn angewiesen. Heinz besucht viele verschiedene Ausstellungen um zu lernen. Bei vielen lernt er auch wie man es nicht macht, das ist genau so wichtig.

 

Kurt hat gerade mit Heinz verliebt gespielt. „Ich habe einen wirklich talentierten Sänger an der Hand. Leider komme ich nicht an den Direktor des Festivals heran. Du kennst ihn doch."

Heinz rekelt sich wohlig. Wenngleich Kurt nicht sein Traum und Lebenspartner ist, so ist es doch jedes Mal eine erfüllende Befriedigung. „Wen meinst du?"

„Gerald, er ist so überheblich und will nur Sänger beschäftigen die bereits einen Namen haben."

„Er ist nicht nur arrogant, er ist eklig" Heinz schaudert wenn er daran zurückdenkt. Er hat es mit Gerald getrieben, um für Irene die komplette Fotoreportage, exklusiv zu erhalten. „Willst du, dass ich mit ihm schlafe?"

„Hm, ja, du tust es doch nicht nur mit mir. Glaubst du ich weiß es nicht?" Kurt wirft so nebenbei Heinz, seine nicht gerade seltenen Seitensprünge vor.

„Klar nur macht es mir dabei Spaß." Heinz ist frustriert. Soll er für Kurt zur Hure werden? Lieber trennt er sich von ihm. Er hat gerade ein Provinzmuseum als Kunde gewonnen, bei dem ihm Kurt sowieso nicht helfen kann.

„Du hast nur wenig in meiner Agentur gemacht. Etwas Geld eingetrieben. Ich finde du schuldest mir mehr." Es ist gelogen, denn Heinz hat vor allem die Kartei lesbar gemacht. Viele seiner Schützlinge irrten als nichtbetreute Karteileichen umher. Nun bekommt Kurt täglich eine Liste die er abarbeiten muss. Hochtrabende Pläne, wie Neulinge gleich in die renommiertesten Spielstätten zu empfehlen, beendet Heinz. Er liefert den kleinen Bühnen maßgeschneidert die kleinen Künstler.

„Ich schulde dir nichts. für den einmaligen Kontakt habe ich mehrmals mit dir geschlafen. Du schuldest mir noch Einiges." Heinz merkt es wird sich zu einem Krach ausweiten.

Kurt denkt wieder, es war eine schönes Jahr mit dem Burschen, doch nun soll er machen was er kann. Im Bett Kunden anschleppen. „Einmal, damit der Kerl sein Talent präsentieren kann. Du bekommst ein Drittel meines Honorars."

„Pah, das murmelst du jetzt, doch wie schaut es in einem Jahr aus?"

„Machen wir einen Vertrag. Der soll für jeden meiner Klienten gelten, für den ich dir schriftlich einen Auftrag gebe." Kurt ist zufrieden, Heinz hat angebissen.

Nach dem Frühstück erhält Heinz den Rahmenvertrag und einen Auftrag den Sänger bei Gerald unterzubringen. Künftig werden 33% aller Agenturhonorare dieses Sängers an Heinz ausbezahlt.

 

Heinz meldet sich bei Gerald. Der ist zwar arrogant und überheblich doch nicht blöd. Er strahlt Heinz an. „Kurt schickt dich. Er liegt mir wegen eines blassen Burschen in den Ohren. Wenn du mit mir schläfst, soll er halt die zweite Rolle bekommen."

„Ich werde mit dir schlafen, aber ich will mehr." Heinz hat sich für den Besuch besonders hergerichtet. Er kennt Geralds Vorlieben. Ein weites offenes Hemd, eine Bermudashorts und Sandalen. Flott bereit zum Sex Spiel.

Gerald saugt gierig den Anblick auf. Er hat deshalb sofort registriert worum es geht. Er streift sein Sakko ab und öffnet die Krawatte. „Was willst du noch?"

„Gib ihm die Hauptrolle und lass mich die Werbung für das Festival machen."

„He, he, du schaffst das doch nicht. Jeder kennt den Reinfall damals im Künstlerhaus."

„Deshalb brauche ich eine zweite Chance. Genauso wie der Sänger seine braucht."

„Mein Festival ist doch kein Versuchslabor wo sich Versager rehabilitieren können." Gerald reicht es. Schlafen mit Heinz, ja. Beruflich mit ihm, nein.

Heinz entblößt sich. Das Bisschen das er an hat, ist im nu ausgezogen. Gerald kann sich von dem 21jährigen nicht losreißen. Sein Mund wird wässrig, die Augen treten hervor, es wird ihm heiß. Heinz lächelt ihn an. Er nähert sich Gerald um ihn zu umarmen und zu küssen.

Gerald wird schwach. „Werbung ja, aber nicht die Hauptrolle", stammelt er noch, dann verliert er seine Hose. Heinz vernascht ihn nach allen Regeln der Kunst. Er hat bei vielen erfahrenen Lehrern gelernt.

Diesmal geht Heinz es vorsichtiger an. Er organisiert die Werbung und auch den Ablauf der Prämiere. Kurt bläut er nochmals ein, „wenn der Bursche nur kickst, bring ich dich um."

„Er singt fantastisch, glaube mir, es wird ein Erfolg", bestätigt Kurt nochmals. „Du hast einen ganzen Monat nicht mit mir geschlafen. Was ist los?" Nun bereut er es doch, dass er Heinz zum Sex mit Gerald gezwungen hat.

„In deiner Agentur habe ich genug getan und du dankst es mir kaum. Jetzt werde ich deine Mimen vermitteln und du wirst schön blechen." Heinz dreht sich um, um sich einer Sopranistin zuzuwenden.

Der Sänger ist gut, wenn auch nicht fantastisch. Die Sopranistin ist Spitze. Sie hat Heinz zufällig kennen gelernt und er sich ihr als Manager angeboten. die Presse ist begeistert. „Ein Festival wie es sein soll."

„Du kannst die Sängerin weiter betreuen, vorausgesetzt wir machen bei ihr halbe-halbe", schlägt Heinz kurt vor.

„Bleiben wir im Geschäft?" Kurt hat die kurze Liste mit den Schauspielern, die Heinz in einem kleinen Theater unterbringen kann, gelesen. Er fertigt die Aufträge aus.

„Im Geschäft ja. Ich ziehe aus." Endgültig will Heinz zu Gerald ziehen. An die Art der Liebe mit dem Mann hat er sich gewöhnt. Gerald plant weitere Events und Heinz hilft ihm bei der Verwirklichung.

 

Von Gerald wechselt Heinz nach einem Jahr zu Klaus, danach zu Richard und es werden in Halbjahresabständen immer mehr. Keiner der Männer kann Heinz halten. Es bleibt immer nur ein Geschäft. Manchmal ist Einer darunter der Heinz auf Anhieb gefällt, sich aber im täglichen Ablauf als nicht besonders Liebenswert darstellt. so vergehen die Jahre. finanziell stößt er sich gesund, wie man so sagt. Er erwirbt ein kleines Häuschen am Stadtrand, richtet es gediegen ein und kann einiges auf die hohe Kante legen.

 

 

Heinz feiert seinen 30er. Es zieht ihn nach Deutsch Wagram. Dort kann er die Künstler und möchtegern Künstler stilgerecht bewirten. Eingeladen hat er 50, gekommen sind 100. Heinz ist es egal, die Rechnung hat er mit dem Wirt pauschal vereinbart. Die ist geschmalzen genug, so ist es auch für den Wirt kein Schaden. Zurzeit ist er mit dem 46jährigen Paul zusammen. Der leitet ein größeres Museum, für das Heinz das Personal neu organisiert. Stolz sitzt Paul neben seinem, dem noch immer schönen, jugendlich aussehenden Liebling. Das Buffet lichtet sich, die Gesellschaft weiß zu futtern.

Da kommt er, ein mittelgroßer, mittelmäßig aussehender 43jähriger Mann mit leicht angegrauten Schläfen. Das lässt ihn älter und vor allem reifer aussehen. Seine flinken hellgrünen Augen schweifen im Raum und bleiben an Heinz haften. Heinz spürt den Blick wie einen Dolchstoß. Er schaut auf und dem Mann verwirrt in die Augen. Siegfried lächelt. Ihm gefällt das Geburtstagskind. Sein breites Gesicht strahlt vor Vergnügen, so dass es schön wirkt. Heinz kann nicht anderes, er lächelt zurück.

„Hallo Heinz, ich gratuliere dir zu deinem Geburtstag."

„Danke, woher kennen wir uns?" Heinz hat ihn noch nie gesehen.

„Ich bin Siegfried, ein Freund von Kurt, genauer gesagt ich habe seine Wohnung eingerichtet. Ich bin Tischler."

„Ah, Kurt, er ist aber mit Martin hier."

„Klar sein neuer Freund. Du warst es doch auch einmal?" Siegfried ist bestens informiert. Kurt hat ihm Heinz beschrieben und ihn eingeladen, damit er ihn kennen lernt.

„Möbel, könnte ich auch in meinem neuen Häuschen brauchen."

„Ich gebe dir meine Karte, komm doch vorbei." Mehr kann Siegfried in dem Wirbel nicht erreichen.

 

Es dauert einige Wochen, bis Heinz sich erinnert und beschließt die Tischlerei aufzusuchen. Er ist erst provisorisch eingerichtet und plant sich gediegene, elegante Möbel zu besorgen. Er hat Kurt mit dem er noch immer in Kontakt ist, schließlich bekommt er für seine Vermittlungen noch immer laufend Honorar, um Rat gebeten.

„Ich will mich gerne individuell ganz persönlich einrichten. Nicht die üblichen Möbelhausstücke.“

„Ich kenne einige. Werde schauen wer für dich in Frage kommt.“ Kurt hat es auch nur so hingesagt, sich bei einem Treffen mit Siegfried daran erinnert.

„Ich kenn eine fesche Schlampe. Der Bursche hat gerade Geld und will sich so richtig schwul einrichten.“

„Mach ich glatt. Wo erreich ich ihn?“

„Komm mit auf seine Geburtstagsparty.“

 

Es ist ein kleines Möbelgeschäft im 3.Bezirk, mit einer mit modernen Maschinen ausgestatteten größeren Werkstatt. Der ganze Erdgeschoßbereich, Vorderhaus, Hof und Hinterhaus ist Tischlerei. In den Schaufenstern zur Straße, ist links ein Teakholz Speisezimmer und rechts ein Mahagoni Wohnzimmer ausgestellt. Beim Eingang in der Mitte bilden geschnitzte Vollholztruhen aus Erle, eine seitliche Absperrung. Weiter in den Ausstellungsraum hinein, lädt eine dunkle Ledergarnitur zum Sitzen ein. Heinz gefällt was er sieht. Ein 22jähriger Jüngling im dezenten grauen Anzug empfängt ihn.

„Guten Tag der Herr, darf ich Ihnen behilflich sein?"

„Ja, ich will Herrn Siegfried Harmes sprechen. Ist er hier?" Heinz ist vom Anblick des Burschen verwirrt. Ist er der Freund von Siegfried?

„Siegfried kommt sofort. Darf ich dir einen Kaffee anbieten?" Johann hat am Zögern bemerkt, weshalb Heinz gekommen ist. „Ich bin Johann, der Freund von Franz dem Werkleiter."

Heinz atmet befreit auf. „Hm, ich bin wegen meiner Wohnzimmermöbel gekommen." Der Junge soll nicht glauben, es geht ihm um einen Mann.

Er bekommt den Kaffee und kurz darauf erscheint Siegfried. "Hallo Heinz. Genaue Pläne kann ich dir erst machen wenn ich den Raum gesehen habe. Heute zeigst du mir im Katalog, welche Stilrichtung dir zusagt."

Johann lässt sie alleine. Eng beisammen studieren sie die Kataloge und wählen Stielrichtung, Holzarten, Stoffe, Tapeten und was sonst noch nötig ist aus. Heinz erregt der nach frisch gesägtem Holz riechende Mann. Siegfried hat, nachdem er ihn bei der Feier gesehen hat, von Heinz geträumt und gehofft das er kommt. Zögernd, ängstlich greift er Heinz auf den Schenkel. Heinz neigt ihm seinen Kopf zu und es kommt zum Kuss. Erst flüchtig, dann heftig.

Johann räuspert sich, er ist wieder nach vorn gekommen. „Telefon, die Merian will ihr Bett früher haben."

„Ach, entschuldige Heinz. Ich komme morgen am Nachmittag zu dir. Da wird uns niemand beim Ausmessen der Zimmer stören."

Heinz lächelt, „sicher da wird uns kein Telefon stören."

 

Heinz ist nervös. Wie soll er sich verhalten? Wie Siegfried empfangen? Soll er sich normal anziehen oder geile Unterwäsche tragen? Etwas zum Essen richten? Getränke aufwarten? Im Geschäft hat Siegfried rasch abgebrochen. Weshalb? Johann ist doch von der Zunft, der stößt sich doch nicht dran. Die Stunde schlägt gleich, Heinz irrt noch immer unentschlossen durch sein kleines Häuschen. Es läutet, Siegfried kommt auch noch früher.

„Hallo Siegfried, ich bin noch nicht ganz fertig" stammelt Heinz als er die Türe öffnet. Er trägt einen Bademantel, darunter weiße Unterwäsche.

Siegfried ist mit seinem Firmen Pickup gekommen und trägt eine blaue Latzhose, darunter ein rotkariertes Hemd. Block, Maßband und Bleistift in der Hand. „Ich ziehe meine Schuhe aus."

„Ja, ja, ich wollte, darf ich dir was anbieten" Heinz schaut verwirrt zu, wie sich der Mann die Schuhe und die Socken auszieht. „Warum auch die Socken?" entfährt es ihm.

„Ja weißt, ja na, ja" murmelt Siegfried, er hält verlegen die Socke in der Hand.

Heinz wird sicherer, er ist genau so nervös wie ich. „Mir ist es egal, du kannst dich auch ganz ausziehen."

Siegfried tritt knapp an Heinz heran, fasst ihn mit beiden Händen an der Hüfte und küsst ihn zärtlich auf den Mund. „Ich habe gehofft, du empfängst mich nackt", murmelt er.

Heinz greift Siegfried an die Hosenträger, um sie seitlich runter zu streifen. „Das können wir doch nachholen." Sie holen es nach und sind Beide schnell nackt.

Im Schlafzimmer bemerkt Siegfried noch, „das gehört auch eingerichtet", dann sinken sie auf die lose liegenden Matratzen, um sich zu vereinigen. Nach dem viel zu kurzen Spiel, misst Siegfried alle Räume aus. „Das kleine Häuschen ist schon sehr geräumig" stellt er fest. „Willst du hier alleine leben? Paul hat doch auch eine große Wohnung."

„Mit Paul werde ich nicht länger zusammen wohnen. Das hier habe ich gekauft, um endlich mein eigenes Nest zu haben. Bisher war ich immer in den Wohnungen meiner jeweiligen Partner."

„Ich habe nur eine kleine Wohnung, die Werkstätte beginnt erst langsam rentabel zu werden." Siegfried besitzt sie erst seit drei Jahren. Davor hat er in einer Tischlerei, die auch restauriert, gearbeitet. Erst hat das Geld zusammengespart, um sich seinen eigenen Betrieb zu leisten.  Seither wächst sein Betrieb langsam aber stetig.

„Wenn du einen ordentlichen Nachlass gibst, kannst auch bei mir einziehen. Ein paar Jahre halte ich es mit dir schon aus.“ Heinz will mit diesem Naturburschen, der im Gegensatz zu seinen bisherigen Partnern einfach und direkt ist, länger beisammen sein. Von den zickigen überschwindligen Künstlern hat er genug.

Siegfried geht es etwas zu rasch. Gewiss der Bursche gefällt ihm, es war auch eine schöne Schäferstunde, doch gleich nach dem ersten Sex zusammen leben, das ist zu gefährlich. „Weist du, erst einmal richten wir es so ein, wie es dir gefällt, dann schauen wir ob es auch mir gefällt.“

„Hm, habe ich dich doch nicht ganz befriedigt?“ Heinz ist enttäuscht. Bisher haben ihm die Herren noch nie einen Korb gegeben, dabei ist er immer bei ihnen eingezogen. Nun holt er sich einen Mann ins Haus und der zögert.

„Doch, doch, sogar sehr“, murmelt Siegfried. „Wir werden uns weiter lieben und du bekommst auch deinen Rabatt.“

 

Es dauert Monate bis alles fertig ist. Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, ein Gästezimmer, selbst Bad und Vorraum und zuletzt einen Wintergarten gestaltet Heinz. Siegfried bewundert seinen Geschmack und bemüht sich es genau umzusetzen. Einmal nimmt Siegfried Heinz mit zu einem Kunden. Das junge Paar, verwöhnt, überheblich sucht Extravagantes, um sich als verrückte Schwule zu präsentieren. Heinz trifft lachend jedes Mal den Punkt. Kreischend nehmen die zwei Burschen jede seiner Ideen auf. Als der große Partyraum feminin und typisch Irr fertig ist gefällt er auch Siegfried der sonst einen sehr konservativen Geschmack hat. Von da an begleitet Heinz ihn öfter wenn „Besonderes“ verlangt wird. Auch im Geschäft kann Heinz einiges reformieren. Schließlich zieht Siegfried ein. Es geschieht Schritt für Schritt. Erst die Zahnbürste, dann eine Hose, mehrere Kleidungsstücke und zuletzt die Bücher und das Porzellan.

 

Heinz beginnt seine anderen Aktivitäten abzubauen. Seine Honoraransprüche bei Kurt lässt er sich ablösen. Die Verträge mit den Museen tritt er ab und die Vereinbarungen mit den Künstlern löst er auf. Er widmet sich nur mehr der Tischlerei, macht Kurse und wird ein anerkannter Innenausstatter. Siegfried expandiert und siedelt an den Stadtrand in eine neue Halle. Dort haben er und sein Werkmeister Franz,  ein dutzend Mitarbeiter. Mehr wollen sie nicht. Heinz führt mit Johann das Verkaufsgeschäft im 3.Bezirk weiter.