Josef

Erwin besucht eine Sauna, die sowohl schwule, als auch hetero Männer aufsuchen. Gelangweilt stolziert er durch die dunstigen, feuchten Räume. Eine Gruppe drängt sich vor der Saunakammer. An einer der Säulen kichern zwei Kerle, die sich gefunden haben. Da sieht er im Warmwasserbecken einen wunderschönen Kopf. Verträumt entspannt sitzt der Junge im Becken, das Wasser bis zum Hals. Erwin steigt hinein, um sich auf die Bank daneben zu setzen. Soll er, soll er nicht. wie wird er reagieren? Er fasst Mut und legt seine Hand dem Burschen auf den Schenkel.

„Ich heiße Erwin. Bist du öfter hier?“

„Josef, nicht oft“, murmelt der Junge. Erstaunt schaut er sich ruhig den 26-jährigen Mann an.

Erwin versenkt seinen Blick verlangend in die dunkelblauen Augen, die ihn aus großen weit geöffneten Pupillen ansehen. Mit der Hand gleitet er langsam zum Schritt. Er fühlt die Erektion.

„Kommst du mit zu mir?“ Auch er erregt sich. Da sich der Bursche den zarten Griff gefallen lässt, wird er sicher.

„Ja.“ Josef richtet sich auf, greift nach dem Tuch, das hinter ihm am Beckenrand liegt, um aus dem Wasser zu steigen.

Erwin will ihm nachfolgen, stellt aber entsetzt fest, dass er ohne sein Handtuch ins Wasser ist. Josef steht bereits oben und grinst höhnisch, als er, sich selbst das Tuch vorhaltend, das Problem Erwins registriert.

Erwin kommt auf seine Seite, noch im Wasser befiehlt er, „dort drüben liegt mein Handtuch auf der Bank.“

Josef nickt und holt es ihm. So können sie beide zu ihren Kästchen, um sich anzuziehen.

Auf der Straße zeigt der 18jährige stolz auf sein Moped. „Ich fahre uns zu dir.“

Erwin muss lachen. Mit einem Moped ist er noch nie gefahren, schon gar nicht auf dem Rücksitz. Es ist eine lustige Erfahrung, als er sich an den Jüngeren klammert und sie durch die Straßen zischen.

Er flüstert, so laut es geht, Josef ins Ohr. „Ich will dich ficken.“

„Klar, deswegen fahren wir ja zu dir“, brüllt Josef zurück.

Sie erreichen den Wohnblock am Stadtrand. In der Wohnung ziehen sie sich hastig aus. Nun kann Erwin den schönen Jüngling erst richtig bewundern. Schlank, kräftig steht er hellhäutig mit dunklen Augen und dunkeln, nicht ganz schwarzen Haaren vor ihm. Seine Scham ist sorgfältig rasiert. In Erwin erwacht der Verdacht, der Junge könnteein Stricher sein, sichtlich erfahren in der Liebe.

Josef gefällt der muskulöse Körper des bodystyle fitgehaltenen braungebrannten Mannes. Die am ganzen Körper blonden Haare leuchten. Ein Mann wie ein Traum.

Sie umarmen sich, sie lieben sich. Es wird für beide ein erfüllendes Sexerlebnis. Anschließend besinnt sich Erwin, um seiner Aufgabe als Gastgeber nachzukommen. Er richtet schnell ein kleines Buffet her und bietet dazu Bier an. Nackt stärken sie sich.

„Wie lange hast du Zeit?“ Erwin will den süßen Knaben nicht gleich loslassen.

„Bis morgen früh um acht, da muss ich ins Büro. Und du?“

„Auch. Bleib die Nacht bei mir.“

Sie schmusen und kosen. Erwin legt noch einen Porno in den Recorder. Josef findet den Film etwas schmutzig. Die Zärtlichkeiten, Streicheln und Küssen, lässt er sich aber von Erwin gefallen. Spät in der Nacht kommt es zum zweiten Sündenfall.

Als Erwin das Frühstück seinem Liebling ans Bett bringt, sagt dieser „Du machst es gut. Sanft und doch kräftig. Sehen wir uns wieder?“

Erwin ist erfreut, als Josef fragt. Er wollte selbst auch fragen.

„Ja unbedingt. Komm nach der Arbeit vorbei. Ich bin um sieben wieder zu Hause.“

 

Erwin ist bereits um 18 Uhr 30 zu Hause. Er hat eingekauft und bereitet ein Abendessen. Er ist ein leidlicher Koch. Es wird sieben, es wird acht, und es wird noch später. Josef kommt nicht. Erwin ist enttäuscht, er geht aus  um sich einen anderen Burschen zu suchen. Wer nicht will, wird nicht gebraucht.

 

Tage vergehen. In einem schwulen Lokal sieht Erwin den Jungen in Begleitung eines 34jährigen dürren langen Kerls.

„Hallo Josef. Warum bist du nicht gekommen?“, haucht Erwin.

 „Ach Erwin, ich bin so froh dich zu treffen. Hast du heute was vor?“ Josef stürzt sich auf ihn, umarmt ihn und küsst ihn auf die Wange.

„Was ist los?“ Der Lange schreit empört auf, „hast du genug von mir?“

„Ja, Erwin macht es besser“, jauchzt Josef. „Du nimmst mich doch mit?“ Erwin ist sprachlos. Er stammelt herum und kaum begreift er es, sitzen sie im Taxi und fahren zu ihm. Es wird eine wunderschöne Nacht.

„Ich liebe dich. Ich bin verrückt nach dir. Warum bleibst du nicht bei mir? Was treibt dich herum?“ Erwin versteht ihn nicht. Wenn er so gerne mit ihm Sex hat, warum fliegt er noch herum?

„Ich mag dich auch, doch du verstehst mich nicht.“

„Ist es das Geld? Ich habe nicht viel.“ Erwin vermutet das naheliegende. Der schöne Junge und die vielen Männer die ihm nachsteigen.

„Nein! Ich gehe doch nicht auf den Strich“, empört sich Josef. „Wir sehen uns wieder.“ Nach dem Frühstück verabschiedet sich Josef und verschwindet.

Erwin sucht im Bad, sucht in der Bar, irrt durch die Stadt, Josef bleibt verschwunden.

 

 

Es ist ein Jahr vergangen, da sieht ihn Erwin wieder. Er ist in Begleitung von zwei 50jährigen schwammigen Männern. Erwin erschrickt, Josef schaut fürchterlich aus. Aufgeschwemmt, verfressen und versoffen. Der 20jährige hat es sich sichtlich gut gehen lassen.

„Hallo Erwin“, jubelt er ihm entgegen. „Wie geht es dir?“

„Oh, gut und dir?“ Erwin will nichts Näheres wissen. Ihm tut Josef leid. „Was hast du die ganze Zeit gemacht?“

„Ach, ich habe es mir schön gemacht. Gefeiert ohne Ende. Michael ist ein Herr, der weiß was ich brauche.“

Der Dickere, mit wulstigen sinnlichen Lippen, an seiner Seite blüht auf. „Ja unser Engel braucht Einiges.“

„Kommt, lasst uns den Tisch dort drüben nehmen und Champagner bestellen“, schreit Josef geziert. „Du leistest uns doch Gesellschaft?“, fordert er Erwin auf.

Erwin will ablehnen. Er ist den Tränen nahe. So ist der schöne Jüngling also verkommen. „Ja, gerne“, stammelt er.

Es wird bestellt und der Kellner schenkt aus der bereits offenen Flasche ein. Erwin kennt das. Dem Etikett nach teurer Champagner doch was drin ist, weiß man nicht.

„Ah, guuuut.“ Mit einem Schluck schüttete Josef den für Erwin ekligen Saft hinein. „Ein echter Hennessy.“

„Ist das nicht ein Cognac?“ Erwin kann nicht anders, er muss korrigieren.

„Das ist der Nachgeschmack“, brüllt der Schlanke auf. „Den trinkt er zum Frühstück.“

„Genau, das Beste um nach einer wilden Nacht wieder munter zu werden.“ Josef leert das zweite Glas.

Erwin versinkt immer mehr in sich hinein. Er ist unglaublich traurig. Josef ist Alkoholiker. Die zwei alten Hunde nützen ihn aus, befriedigen sich an ihm und füllen ihn deswegen täglich ab.

Nach einer Stunde steht der Dicke auf. „Komm wir gehen, lassen wir das Luder bei seinem Jugendfreund.“

Bevor Erwin begreift was geschieht sind die zwei Männer verschwunden. „Haben die bezahlt?“, fragt er besorgt den Kellner.

„Klar, ihr könnt sogar noch eine Flasche haben.“

„Danke sicher nicht.“ Erwin hat nicht einmal das erste Glas geleert. Josef lallt und kichert vor sich hin. Er ist voll.

„Deine Freunde sind weg.“ Erwin erklärt es Josef, als er einen lichten Augenblick hat.

„Sie mögen mich nicht mehr. Gestern haben sie mich rausgesperrt, da war ein Anderer bei ihnen.“

„Wo wohnst du? Ich bring dich nach Hause.“

„Ha, ha, nirgends. Die Schweine machen mir doch heute, auch nicht auf.“

Erwin ahnt Schlimmes. Josef hat die vergangene Nacht auf der Straße zugebracht. „Kann ich dir helfen?“

Josef wirft sich ihm an den Hals. „Hilf mir bitte. Ich habe es versaut, dabei warst du so ein toller Mann.“

Erwin denkt an die schönen gemeinsamen Stunden. Er wird schwach. „Komm zu mir in meine kleine Wohnung.“

Josef folgt ihm willig. Eng aneinander geschmiegt schlummern sie ein. Erwin will mit der Alkoholleiche keinen Sex, obwohl Josef sich ihm anbietet, eigentlich aufdrängt. „Komm mach es mir, du machst es so gut.“

Am folgenden Morgen. „Ich muss zur Arbeit. Wann musst du?“

„Ich arbeite nicht, schon länger nicht. Die Kerle haben für mich gesorgt.“

Erwin nimmt auch diesen Schlag hin. Er fährt ins Büro um sich eine Woche frei zu nehmen. Wenn er Josef helfen will, kann er es nur, wenn er sich auch die Zeit dafür nimmt. Er muss ihn erst von der Flasche weg und dann in einen Job bringen.

Als er zurück kommt findet er alle Schränke geöffnet vor. Josef hat überall nach Alkohol gesucht. Einiges hat er auch gefunden und ausgesoffen. Der Bursche zittert am ganzen Körper.

„Das mit dem Trinken muss aufhören. Ab sofort nur Mineralwasser.“

„Ach nein. Wenigstens Kaffee musst du mir erlauben.“

„Kaffee und auch Tee.“ Erwin weiß, wenn muss er streng sein und höllisch aufpassen.

 

Die Woche wird schlimmer als es sich Erwin vorgestellt hat. Er glaubte, Josef wird brav seinen Anordnungen folgen. Doch der bettelt bei jeder Gelegenheit, „wenigstens ein kleines Bier, komm deswegen bin ich doch nicht gleich krank.“

„Doch du bist sehr krank“, ist alles was Erwin dazu einfällt.

Als die Woche zu Neige geht, wird es Erwin klar: Ich schaffe es nicht. Ich brauche fachliche Hilfe. Er erkundigt sich. Ein Arzt ist bereit Josef in ein Krankenhaus, wegen schlechter Leberwerte, einzuliefern.

„Ich bin nicht krank! Was tust du mir an. Ich habe geglaubt du hilfst mir!“ Josef schreit und kreischt wütend herum.

„Es ist doch nur eine Untersuchung wegen deiner Leber“, versucht Erwin zu beruhigen.

„Ich  war doch brav. Habe nichts getrunken. Bitte lass mich bei dir. Bitte“, schluchzt Josef.

Erwin redet ihm gut zu und Josef gibt nach. Er wird 14 Tage im Spital behandelt und macht anschließend eine 3wöchige Kur.

 

Erwin hat ihn jede Woche besucht. Josef macht Fortschritte. Der 20jährige schaut wieder blendend aus.

„Du solltest mehr Sport machen, damit du kräftiger wirst und etwas Speck abbaust.“

„Gefall ich dir nicht?“ Josef ist leicht verstimmt. „Wir machen hier jede Menge Gymnastik.“

Erwin holt ihn ab und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Nun hofft er, Josef wird bei ihm bleiben.

 

Nach einem Monat ist es Erwin gelungen für Josef einen Job aufzutreiben. Erwin teilt es ihm jubelnd mit. Am nächsten Tag als er heimkommt ist Josef weg. Erwin zieht durch die Lokale, er sucht alle in Frage kommenden Saunas auf. Josef ist weg. Es ist wie vor über einem Jahr, Josef wurde vom Erdboden verschluckt.

 

 

Es vergeht die Zeit. Erwin nimmt einige Burschen mit, er geht mit mehreren Kerlen mit, doch niemand befriedigt ihn richtig. Mit keinem, der anderen Männer will er zusammen leben. Sein Traum bleibt Josef.

Eines Tages, er geht zufällig die Wienzeile entlang, sieht er einen abgerissenen Sandler. Der zwinkert ihm zu. „Oh, Gott! Josef, bist du es?“ Mager, grau im Gesicht, eine rote Knollennase vom Suff, so grinst ihn der junge Mann aus einem zahnlosen Mund an. Irgendwer hat ihm vorne die Zähne eingeschlagen.

„He hast einen Fünfer für mich, hab noch nichts gegessen“, bettelt ihn Josef an.

Erwin treten die Tränen in die Augen. „Komm mit bei mir kannst du essen“, schluchzt er.

„Bist deppert. Ich will an Fünfer.“ Josef grunzt mehr, als er spricht.

Erwins Begleiter wundert sich über Erwin. „Was willst von dem? Gib ihm Fünf oder Zehn und lass uns gehen. Der ist verloren.“

„Also was ist? Gib mir an Zehner, darfst mich dafür ficken.“

Mit zittrigen Händen gibt ihm Erwin den verlangten Zehner. „Lass ist schon gut.“ Ihm rinnen die Tränen über die Wange.

Sein Begleiter spürt wie es in Erwin ausschaut. Er zieht ihn fort.

„Ich muss ihm doch helfen“, es dauert lange bis sich Erwin beruhigt. Die folgende Nacht wälzt er sich unruhig im Bett. Alpträume quälen ihn.

Am Morgen stellt er fest: Ich werde ihm helfen. Er sucht den Platz zu verschiedenen Zeiten wieder auf. Josef bleibt verschwunden.

Erwin bleibt Single. Er kann sich mit Keinem zufrieden geben. Seine große Liebe ist verloren gegangen.