Die Burg

Als ich den Weg von Ruine Kaja zur Burgruine Kaja ging dachte ich an die Menschen die vor tausend Jahren hier gelebt und gearbeitet haben. In den verschiedenen Berichten über diese beiden Ruinen gibt es eine Unzahl von Namen und Jahreszahlen mit denen ich mir erlaube zu jonglieren und einfach meiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Es könnte das was ich schreibe geschehen sein, ist es aber wahrscheinlich nicht. Übrigens kann sich das alles ja auch auf einer anderen Burg zugetragen haben.

 

Mühsam bahnt sich der Tross am Westhang des Mannhartsberges, in einem unwegsamen Gelände, seinen Weg nach Norden. Für sechs Ochsenkarren, beladen mit dem Hausrat der wandernden Pioniere, muss ein befahrbarer Weg gesucht werden. Zwölf Ritter und weitere zwanzig Frauen und Kinder umfasst die Gruppe.

An den Edlen Wolfram von Chiowe erteilte Friedrich I. den Befehl: „Bau mir eine Veste oben an der Thaya. Nimm deine Familie und dein Gesinde mit und macht das Land urbar. “

Von Gars am Kamp, zu dieser Zeit die Residenz der Babenberger, zog der Tross, damals im noch wenig besiedelten Horner Becken, am Marterl Maria Dreieichen, später soll hier eine weit sichtbare Wallfahrtskirche entstehen, vorbei über Rodingersdorf, Pleißing bis nach Merkersdorf. Eine Woche brauchte Wolfram mit seinen Getreuen für die 40km. Dicht sind die Wälder, kaum Fußpfade vorhanden und die Bäche sind ohne Brücken.

Jetzt steht man still, es scheint kein Weg mehr weiter zu führen.

„Weiter im Westen könnten wir auf den Polansteig stoßen“, meint Gerhold, einer der Ritter. Er nimmt Bezug auf einen Handelsweg der von der Donau nach Böhmen führt.

„Da kommen wir dem Hardegger zu nahe. Der Herzog will nicht dass der Hardegger von unserem Plan erfährt.“

„Aber das verstehe ich nicht. Friedrich ist doch mit ihm befreundet. Er nennt ihn seinen treusten Vasall.“

„Ja, ja die lieben Freunde. Die Hardegger und Kuenringer werden dem Babenberger zu mächtig. Deshalb hat er mich beauftragt abseits der Thaya eine Veste zu bauen.“

„Gehen wir über den Bergrücken nach Osten. Dort befindet sich eine kleine Ansiedlung etwas abseits der Thaya.“

„Ich weiß, Rezze, oder ähnlich. Diesen Leuten kann ich nicht vertrauen. Nein, die von uns eingeschlagene Richtung ist die einzig richtige.“

Ein anderer Ritter, Ullrich von Leipa, kommt erschöpft vom Erkundungsritt zurück. „Wolfram, ich finde keinen befahrbaren Weg. Die Thaya habe ich erreicht. Knapp hinter dem Wald vor uns fließt ein Bach zum Fluss.“

„Schauen wir uns das Tal an. Seit Adalbert ist die Thaya Grenze zum Böhmen. Lasst uns etwas abseits einen geeigneten Platz finden.“

„Leider hält sich der Böhme nicht an die Grenzvereinbarung und plündert oft weit südlich des Grenzflusses“, mault Gerhold.

„Es leben auch noch viele Slaven hier. Wir müssen mehr Leute aus Bayern herholen.“ Wolfram kennt die Probleme. Er war schon bei einigen Ortsgründungen dabei. Einige Orte, den Kamp hinunter, hat er im Auftrag des Babenberger Markgrafen und einige auch im Auftrag der immer mächtiger werdenden Kuenringer gegründet. Diesmal ist es das erste Mal dass er eine eigene Burg errichten darf.

„Sollten nicht mehr Mönche kommen. Die Kuenringer verlassen sich auf die Zisterzienser.“

„Adalbert hat die Prämonstratenser beauftragt. Das geplante Stift in Geras ist zwei Tagesreisen von hier entfernt. Lass uns morgen weiter beraten.“

 

Wolfram lässt die Ochsenkarren im Karre aufstellen, denn wenn sie auch eine wehrhafte Gruppe sind, so wissen sie, wie sehr vor allem ihre Metallgeräte, unter den Eingeborenen Begehrlichkeiten wecken. In den vier Tagen, die sie lagern um die Umgebung zu erkunden, kommen auch mehrere freundlich lächelnde Burschen mit erlegten Hasen oder Säckchen mit Korn und deuten auf die Messer vereinzelt auch auf Tücher die sie dafür haben wollen.

Gerhold will sie vertreiben, doch Wolfram meint: „Tauschen wir, denn wir brauchen diese Leute wenn wir hier unsere Herrschaft errichten.“

 

Bald haben Wolfram und seine Ritter einen geeigneten Platz am Bach gefunden.

Wolfram gibt dem Bach einen Namen. „Nach der heiligen Katharina nenne ich den Bach Katharina.“

Erst sagten die Einheimischen kurz „Kaja“, dann sprachen es auch die Neuankömmlinge nach. Der Platz eine Erhöhung kurz nachdem sich zwei Bäche  vereinen wird gerodet und zuerst mit einem Palisadenzaun abgesichert. Dann werden hölzerne Gebäude errichtet. Das bauen des steinernen Turm dauert etwas länger.

Nach und nach wird auf dem Platz zugebaut werden die Gebäude ausgestaltet und die Veste mit einer Mauer weiter befestigt.

Der Traum Wolframs, an der Grenze eine große Rolle zu spielen, verwirklicht sich nicht. Die Veste Kaja steht im Schatten ihrer mächtigen Nachbarn. Spätere Besitzer verlegen ihren Sitz, in ein bequemeres Schloss, nach Merkersdorf.

 

Eine historische Fantasie