Steve

Es ist an einem schwüler Juliabend. Der Regen, der am Nachmittag fiel, hat sich sofort, kaum dass er den Asphalt berührte, in Dunst aufgelöst. Rainer hat sich in seine Aufriss Schale geworfen um, in der „Loge" nahe des Esterhasy Flakturms sein, Glück zu finden. Die öffentliche Bedürfnisanstalt ist eine der alten metallenen Anlagen. Er ist in enger Jean, ohne Unterhose, in weißem Leibchen und trägt Sandalen ohne Socken. So betritt er, gerade als die Wasserspülung loslegt, die Pissoire. An der streng riechenden Pissrinne steht erwartungsvoll ein ca. 40-Jähriger Mann mit feisten Arsch und halb runtergelassener Hose.

Rainer stellt sich dazu und öffnet seine Hose, um sein Männchen zu präsentieren. „Lässt du dich?", raunt er dem Kerl zu.

Der blickt ihn abschätzend an und meint, „Na groß ist er nicht, aber von mir aus."

Rainer ist leicht frustriert, so hat ihm bisher noch keiner zugesagt. Er packt ein, schließt die Hose und will dem Kerl in eine der Kabinen folgen. Da kommt ein 22-Jähriger Traum herein. Rothaarig, mit Sommersprossen, rundem Gesicht und einem breiten Grinsen, starrt er Rainer in den Schritt. Eine leichte Erregung zeichnet sich bei ihm, als Beule in der Hose, deutlich ab.

„Hallo", man hört seinen englischen Akzent, „kommst du mit, in mein Zimmer? Ist nicht weit."

Rainer schaut ihn verwundert an. Direkter geht es kaum, aber sie sind ja auch auf einem typischen Schwulentreff. „Ja, ich hab nichts Besseres vor", strahlt er den Burschen an.

Der 40-Jährige hat die Klotür einladend geöffnet, „Was ist mit uns Zweien?" Er kann ihnen nur mehr endtäuscht nachschauen.

Es ist eine kleine billige Pension in der Nähe, in die Rainer schweigend dem Jungen folgt. Das kleine Zimmer ist billig möbliert, mit Klo und Dusche auf dem Gang. Sie stehen neben dem Bett, schauen sich tief in die Augen und befreien sich küssend, langsam gegenseitig von der Wäsche.

„Du bist mein Erster", haucht Steve, „hier in Wien", setzt er hastig dazu.

„Ich werde ganz zärtlich zu dir sein." Rainer ist von der extrem weißen Haut des Rothaarigen fasziniert. Er küsst und leckt sich über Steves Körper rauf und runter.

„Du darfst ruhig kräftiger werden. Ich mag das." Steve ist nach Wien gekommen um kernige Naturburschen zu finden. Den Urlaub hat er sich zusammen gespart um sich, weit weg von Newcastel, jede Nacht einem anderen Kerl hinzugeben. Als Fremder hat er die „Loge" zufällig gefunden. Vorher irrte er im nahegelegenen Park herum, ohne jemand zu finden. Der muskulöse kräftige 27-Jährige Rainer verspricht zu sein, was er sucht. Die blonden Locken, das gebräunte Gesicht und der kräftige halbnackte Oberkörper gefallen Steve auf den ersten Blick.

Rainer lässt sich trotz der Aufforderung nicht beirren. Er bleibt sanft und zärtlich. Endlich, findet Steve, sind sie nackt und sinken eng umschlungen aufs Bett. Langsam bringt Rainer sie zu einem gemeinsam Höhepunkt. Verliebt sinken sie anschließend in einen Schlaf.

 

Der Morgen ist bereits angebrochen. Die Sonne brennt auf die Fensterscheiben. Es wird wieder ein heißer Tag. Steve geht hinaus, aufs Klo und stiehlt anschließend aus dem Frühstücksraum Brötchen. Damit kommt er gerade recht, als auch Rainer aus dem Klo zurückkommt.

„Brot mit Wasser", kichert Rainer, „ein üppiges Frühstück. Gar nicht englisch."

„Nein, es soll Keiner wissen, dass du hier bist. Der Wirt verrechnet sonst mehr."

„Fein lass uns von der Liebe leben." Rainer beginnt das Spiel diesmal heftig, so wie es Steve wünscht. Wild bearbeitet er mit kräftigen Stößen, wie eine Maschine, den freudig wimmernden Jungen.

„Oh, du kannst es wunderbar", jubelt Steve als sie fertig sind und erschöpft nebeneinander liegen. „Wenn du mir noch ein drittes Spiel lieferst, heirate ich dich."

„Ich sollte in der Firma sein. Aber was soll es, lass uns den Tag genießen." Rainer befindet sich, im Gegensatz zu Steve, nicht auf Urlaub. Er schwänzt die Arbeit und will es schon irgendwie erklären.

Ein kurzer Schlummer und Rainer probiert es wieder. Diesmal kommt er nicht in die richtige Form. Es bleibt beim zärtlichen Spiel. Steve ist trotzdem zufrieden.

„Lass uns essen gehen, diesmal richtig", fordert Steve.

Sie suchen ein kleines Beisel in der Gumpendorferstraße auf. Bei Bier und Beuschel gibt Steve seine Wünsche bekannt. „Du musst mir die Treffs und Lokale von Wien zeigen. Ich will die Stadt kennenlernen."

„Ich zeig dir die Stadt, nicht nur den schwulen Bereich sondern auch den kulturellen Teil."

Steve nickt zustimmend. Er wartet neugierig was Rainer meint.

„Erst fahren wir mit der Tram um den Ring, dann in ein Museum, danach kommst du zu mir, damit du eine Wiener Wohnung kennen lernst. Am Abend  geht es nach Nussdorf."

„Aber, gibt’s dort auch ein warmes Lokal?" Für Steve klingt das alles nicht nach dem, was er sich vorstellt. Er will einen heißen versauten Urlaub genießen.

„Nein, dort gibt’s den Heurigen wo wir essen werden. In einen Bums können wir nicht vor zehn, eher gegen elf Uhr gehen. Wirklich los geht es in den meisten Bars erst um Mitternacht."

 

Steve gibt nach und unterwirft sich dem Programm. Rainers Wohnung im 9.Bezirk befindet sich in einem bürgerlichen Bau aus dem 19.Jhd. Zwei Zimmer, Küche, Bad und WC. Das riesige Bett in dem einen Zimmer begeistert Steve.

„Du bist mein Erster" grinst Rainer, an die Eröffnung von Steve erinnernd, „hier in dieser Wohnung." Er hat bisher noch nie einen Burschen zum Schlafen mitgenommen.

Es kommt zu dem dritten Liebesspiel, das in der Pension wegen Schwäche flach fiel. Zärtlich, liebevoll beginnt Rainer um wild und unbeherrscht ins Ziel zu kommen. Steve klammert sich anschließend verlangend an ihn.

„Davon kann ich nicht genug bekommen", seufzt Steve, genauso stellt er sich seinen Urlaub vor. „Ich kann es kaum erwarten auch andere Wiener Kerle kennenzulernen."

„Schön lass uns was Kräftiges vom Heurigenbuffet holen und danach, auf in eine Bar." Rainer will nach dem herrlichen Tag, den Jungen abgeben. Er ist erschöpft und braucht die nächsten Tage keinen Sex. wenn der Bursche nächste Woche noch in Wien ist, kann man ja fortsetzen. Rainer zieht sich erst jetzt richtig an. Den ganzen Tag war er mit den Klamotten, die er auf der „Loge" trug, unterwegs.

Sie fahren nach Nußdorf, besuchen zwei Winzer und essen Geselchtes, dazu trinken sie den reschen Heurigenwein.

Steve gefällt die urige Atmosphäre, der einfach eingerichteten Lokale. Essen und Wein schmecken ihm. Er schmiegt sich begeistert an Rainer. Rainer befürchtet das es die übrigen Heurigengäste bemerken.

 

Die Bar in der Innenstadt, die sie nach 22 Uhr aufsuchen, ist einem englischen Pub nachempfunden.

Steve grinst und bestellt sich ein, „Half Bitter."

Georg an der Theke hat Humor und stellt ihm ein Seidel Bier hin. "Bitter ist aus, habe nur Lager."

Männer im Alter von 30 bis 60 Jahren treiben sich herum. „Das ist ein Lokal fürs Mittelalter", erklärt Rainer. „Willst du mehr Jüngere? Dann müssen wir woanders hin."

„Hier passt es mir. Ich mag die Dreißigjährigen." Was nicht gelogen ist. Steve will einen Mann, einen richtigen Mann.

Die findet er allerdings in dem Lokal nicht. Tuntige, Schwindlige, Schwammige und Magere, aber keiner der Rainer auch nur ähnelt. Also auf zur nächsten Bar. Magere, Schwammige, Schwindlige und Tuntige, aber keiner der Steve erregt. So gehen sie weiter und weiter, bis sie immer öfter die gleichen Kerle treffen, die sie schon in den Bars davor sahen. Alle Burschen sind, so wie sie, unterwegs und suchen den Traum fürs Leben.

„Komm halt mit zu mir. Schlaf dich aus. Morgen muss ich aber zur Arbeit." Rainer lädt Steve zu sich ein, obwohl er eigentlich schon genug von ihm hat.

 

Am Morgen, die Sonne schickt ihre Strahlen durchs Fenster ins Zimmer, wacht er auf und erregt sich an dem eng an ihn geschmiegten zarten Körper. Der Junge ist süß, stellt er fest bevor er ihn auch nimmt. Danach springt er aus dem Bett, zieht sich hastig an, um ins Büro zu eilen. Steve bleibt zufrieden im Bett zurück.

Das er einen Tag blau machte, nimmt man in der Firma nicht ernst. Eigentlich ist es nicht gerade aufbauend, wenn man registriert, niemanden abzugehen. In diesem Fall ist Rainer froh darüber.

 

Als er am späten Nachmittag nach Hause kommt, ist Steve noch immer da. Genauer gesagt er ist schon wieder da. Steve holte seinen Koffer aus der Pension und putzte die Wohnung. Nach dem Studium des Kühlschranks und der Vorräte kauft er ein und kocht ein Menü, von dem er hofft dass es Rainer zusagt.

„Was machst du noch hier?" Rainer ist entsetzt. Er hat gehofft der Bursche verschwindet.

„Ich habe in das Klo, in dem ich dich Gestern fand, reingeschaut. Es war ein fürchterlicher Anblick. Lauter alte Tunten und schwindlige Bubis. Da habe ich meinen Koffer geholt, um dich die restlichen Tage in Wien zu verwöhnen." Steve trägt einen schwarzen Body aus Netzstoff, der an den heiklen Stellen engmaschiger gewebt ist. Er schaut erregend aus. Vor allem da sich vorne Abzeichnet wonach ihm ist.

Rainer wird geil. Er geht auf den Jüngling zu, umarmt und küsst ihn. „Ich werde dich verwöhnen. Verdammt wenn ich es gewusst hätte, hätte ich mir heute ein paar Tage frei genommen." Nochmals schwänzen ist nicht drin.

„Mir genügen die gemeinsamen Nächte. Fiakerfahren und Museen besuchen kann ich auch alleine."

Steve löst Rainers Gürtel und streift ihm die Hose runter. Es geht schnell und sie sind nackt. Sie sinken auf den Boden, um sich wälzend zu lieben. Ermattet strahlen sie sich anschließend an.

„Wenn du in Wien leben würdest, könnte ich mich in dich verlieben", seufzt Rainer. Er ist verrückt nach dem Jungen. Noch keiner hat ihn davor so befriedigt.

Steve ist glücklich. Es ist zwar anders als er es geplant hat, doch dafür wie ein wunderbarer Traum. „Sag das nochmals und ich prüfe, ob ich in Wien weiter studieren kann."

„Was studierst du?"

„Germanistik"

„Deshalb dein perfektes Deutsch." Rainer hat sich gewundert wieso der Brite so gut und fehlerfrei spricht. Nur der Akzent verrät ihn. „Wohnen kannst du bei mir, sonst weiß ich nicht wie du dein Studium finanzierst." Oha, was mach ich für ein Angebot. Ihm ist es einfach so rausgerutscht.

„Danke, ich werde prüfen ob ich genug zusammen bringe. Stipendien und was meine Alten dazu legen?“

„Hm“, Rainer bereut seine rasche Zusage. Wahrscheinlich geht sich’s eh nicht aus, beruhigt er sich.

 

Die folgenden Wochen, Steve kann seinen Urlaub verlängern, werden romantische Flitterwochen. Rainer nimmt sich doch auch eine Woche frei. Steves Abschied von Wien ist schmerzvoll.

„Ich werde meinen Eltern erklären, dass ein Studium in Wien für mich das Beste ist.“

„Ja, ich werde auch helfen.“ Rainer wünscht es sich ebenfalls. Die gemeinsame Zeit war einfach zu schön um es zu beenden.

 

Steve jubelt. Es geht sich finanziell aus. Das Wohnen kostet nichts und die Eltern zeigen sich großzügig. Steve zieht ein. Rainer erlebt eine wunderbare Zeit. Er gewöhnt sich daran, Sex nur mehr mit einem einzigen Partner zu haben. Steve ist häuslich, zärtlich und kommt Rainer in allem entgegen. Fast ist es zu perfekt.

 

Die Jahre vergehen und Rainer muss Steves Launen, die vor jeder Prüfung zu hysterischen Anfällen führen, ertragen. Beim ersten Mal drohte Rainer ebenfalls auszurasten, beim zweiten Mal wird er nur mehr rot und ab dem dritten Mal macht er sich bereits darüber lustig. Nachdem sein Liebling die letzte Prüfung hinter sich hat gehen Rainer die Ausbrüche ab.

 

Steve ist überrascht wie einfach und schnell er Arbeit in einer Wiener Bibliothek findet. Er wird allerdings als Berater für englische Literatur beschäftigt.

 

Als sie ihre zehnjährige Freundschaft feiern traut sich Rainer zu fragen. „Wir können unsere Partnerschaft eintragen lassen. Willst du?“

„Ja, vorausgesetzt du willst weitere zehn Jahre mit mir verbringen.“

„Ja ich will.“

 

Eine Übersicht über meine Bücher:

https://tredition.de/autoren/lutz-leopold-17664/